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RE: Atomwaffenverbot.de • Absender: Markus Rabanus, 25.07.2019 13:02

Jörg Sobota, das von dir beschriebene Problem stellt sich aus Perspektive der Friedensforschung anders dar, wie oben angeschnitten und vielen nicht auf dem Schirm, weil die Kontrollverluste oft über Jahrzehnte verschwiegen werden und so auch deinen Glauben an die atomare Abschreckung wahren.

Und du übersiehst, wie weit die Geister auf unserem Planeten auch diesbezüglich auseinander sind, denn die über 120 Staaten, die am 7.7.2017 gegen die heftigen Drohungen aus dem Weißen Haus und dem Kreml für den Atomwaffenverbotsvertrag stimmten, repräsentieren Menschheit, die nicht die Sichtweise teilt, wie sie in den rivalisierenden Staaten jahrzehntelang im Kalten Krieg auch hierzulande Bewusstsein prägten.

Kurzum und viel schroffer als bei anderen Risikotechnologien:

Wüssten die Menschen um die Unzuverlässigkeit des atomwaffenbasierten Friedens, so würden sie jeden aus dem Amt jagen, der nicht alles daran setzt, die Atomwaffen weltweit unter effektiver Kontrolle zu verbieten.

So ist es übrigens auch mit Artikel 6 des Atomwaffensperrvertrags.
Dieser Artikel enthält die eigene "vollständige" Atomwaffenabrüstung als Hauptgegenleistung für den Verzicht der anderen Staaten "in naher Zukunft" - vor 49 Jahren ;-)

So heißt es dort in Artikel 6:

"Jede Vertragspartei verpflichtet sich, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle."

Das steht nicht in unseren Schulbüchern. Und auch viele Politiker wissen es nicht. Wenn du Kinder hast, die zur Schule gehen, beschaue dir ihre Lehrbücher.

Aber in anderen Ländern wird es gelehrt - und denen wird dann auch berichtet, wie bei den UNO-Generalversammlungen und den turnusmäßigen Überprüfungskonferenzen des Atomwaffensperrvertrags (alle fünf Jahre) der Streit zwischen Atomwaffenmächten und Verzichtsstaaten notorisch ergebnislos abgespult wird.

Und davon hatten viele Verzichtsstaaten die Nase voll - und handelten mühsam den Atomwaffenverbotsvertrag aus, der nun seitens der hauptsächlichen Atomwaffenmächte als "friedensgefährdend" verleumdet wird.

Hebe den Finger, wer hier davon weiß.

Jörg Sobota, die "eigene Scholle" ist den Völkern wichtig, wie auch mir als kleinem Immobilienhai und meinen Mietern Bedeutung hat, dass unsere Nachbarn und Fremde die Grundstücksgrenzen und hier geltenden Gebote achten.

Aber in der Hauptsache ist für unsere Sicherheit durch Gesetze gesorgt, durch das staatliche Gewaltmonopol - und weil es hierzulande recht gut funktioniert, kommen wir ohne Waffen und erst recht ohne Wettrüsten gegen Kriminelle aus.

Unsere Konflikte werden nicht per Selbstjustiz, sondern per Rufnummer 110 geregelt oder vor Gerichten ausgetragen.

Es gibt keinen guten Grund, dass der Frieden zwischen den Staaten unkultivierter gesichert wird als der Frieden in einer Kleingartenanlage. - Und exakt so will es auch das Völkerrecht mit ihrem universell verpflichtenden Hauptdokument, der Charta der Vereinten Nationen.

Wer sich anderes einreden lässt, hält der Selbstjustiz und Willkür des Stärkeren die Treue.
Und der steht auf der falschen Seite, ganz gleich, wie er vom Frieden tönt oder auch, wie friedlich er tatsächlich ist, aber andere am System des "Krieges als Fortsetzung von Politik" mit militärischen Mitteln festhalten lässt.

Und dennoch geht nichts durch einseitiges Abrüsten, sondern braucht ein effektives UNO-Gewaltmonopol - und das muss auch militärisch stärker sein als alle Konfliktparteien.

Also die UNO muss "Supermacht" sein, alle anderen dürfen nicht mehr militärisch, sondern müssen sich demokratisch, diplomatisch und vor Gerichten streiten.

Der Weg ist weit - und bleibt es, wenn die Schritte ausbleiben.

Im unteren Teil - unter dem www.pazifistischen-manifest.de - findest du eine Wegbeschreibung.

Der Nationalismus sorgte immer für Krieg, aber auch dafür, dass sich Gebiete einten, in denen man sich zuvor immer wieder an die Kehle ging, weil sich Fürsten stritten und die Untertanen für sie zu töten und zu sterben bereit waren. Und es verheerte im Dreißigjährigen Krieg halb Europa.

Heute stehen wir vor der Aufgabe, den Nationalismus durch Kosmopolitismus zu überwinden, letztlich durch eine Föderale Weltrepublik.

Alles andere ist Käse, ist Wettrüsten und Völkermord an den Armen, ist immer wieder Krieg - und auch der Große Krieg lässt sich nicht ausschließen, wenn wir den Wandel nicht einleiten.

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