#1

"Gentechnik: Hören wir auf zu lügen!" ???

in Sonstiges 17.03.2018 02:33
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Hmm, wenn der Florian A. vorher lügen musste und jetzt die Wahrheit sagen darf und will, dann sollte man ihn beglückwünschen, aber als Auftakt zur seriösen Diskussion taugt die Schrägdarstellung des Streits um und innerhalb von Wissenschaft nicht.

Geht es um wissenschaftlichen Diskurs, fokussiert man auf die Darstellung von Theorien, Experimenten, Resultaten, erwähnt die wissenschaftlichen Kontroversen.
Geht es um den politischen Diskurs, sucht man sich als Gegner offenbar mit Vorliebe die schlappsten Schlappohren aus, um etwas leichter zu glänzen. möglichst Leut', die glauben, Gott habe die Haustiere erschaffen oder andere Esoteriker, denen Wasseradern Sorgen machen, solange genug aus dem Wasserhahn kommt.

Wer hingegen ernsthaftere Reflexionen zu den Risiken gentechnischer Experimente berücksichtigen möchte, sollte sich z.B. mit den Thesen des soeben verstorbenen Stephen Hawking befassen oder mit den juristischen Fragen,
a) wie es um Beweislasten und Haftung bestellt sein müsste, wenn bspw. gen-patentierte Pflanzungen benachbarte patentfreie Pflanzen kontaminieren, denn das führte zu Prozessen zwischen finanzstarken Konzernen und schwachen Bauern,
b) wie es um Beweispflichten steht, dass es nicht nur "Gen-Marker" sind, sondern echte Wissenschaftserfolge, denn von Kartoffelsorten und aus der Pharmabranche kennen wir es, dass nahezu unveränderte Präparate auf den Markt kommen, um Preisvorgaben zu brechen oder Sorten rechtzeitig aus dem Markt zu nehmen, damit sie nicht patentfrei werden.

Konzerne haben vordringlichere Ziele als die Seligmachung der Menschheit, denn ihnen sitzen die Aktionäre im Nacken - und denen geht es um Dividende - und die teilt man sich ungern mit Konkurrenz - und die gilt es auszuschalten - und wenn nicht über Qualität, dann über Lug und Betrug.

Wissenschaft gebiert immer "große, große Chancen" - das ist nicht neu, uns hier schon gar nicht. Aber wir sind zu wenig in den (bio-)technischen Wissenschaften unterwegs, um qualifiziert mitzureden, sondern eher Teil des politikwissenschaftlichen Diskurses - und deren Fragestellung, wie dafür zu sorgen ist, dass sich Chancen und Risiken angemessen verteilen, denn drei Mann zum Mars und 300.000.000 Menschen hungern hat spätestens dann miteinander zu tun, wenn es auf dem eigenen Teller fehlt.

"Ja, darum brauchen wir doch die Gentechnik!" - Falsch, denn die Leute in Afrika hungern nicht, weil es ihnen an Gentechnik fehlt, sondern weil unsere Überproduktivität schwächere Volkswirtschaften per Freihandel platt macht und vor deren Küsten die patentfreien Fische wegholt.

Das ist "Wahrheit" - und anderes "Lüge", denn zum Wohle des Menschen ist Wissenschaft nur, wenn hinreichend sichergestellt, dass es nicht bloß um Profit geht. - So sage ich das mal als "Unternehmer", ganz freimütig, denn ich wüsste nicht, was aus mir würde, wenn ich alles dürfte, wie es mir Lust und Laune werden könnte.

Wenn wem von uns ein dolles Wissenschaftsereignis von rechts nach links oder umgekehrt über den Weg hoppelt, dann ist Austausch dazu ganz super, zumal es irre viel gibt, Sensationelles z.B. im militärischen Bereich oder auch mit unseren modernen Textilien, von denen man angeblich erst jetzt bemerkt, dass sie mit jedem Waschgang "Mikroplastik" in die Nahrungskette bringen und dort anreichern, womöglich bis zur Rückkehr per Fischfilet.

Seien wir uns bewusst, dass derjenige lügt, der die Gentechnik als bloße Fortsetzung dessen beschreibt, was die Menschheit in Jahrtausenden praktizierte, denn die heutige Gentechnik ist eine wissenschaftliche Revolution ins Experimentelle mit globaler Wirkung, wenn es Laboren entkommt und überhaupt nicht vergleichbar mit den langwierigen Auslesepraktiken früherer Regionalwirtschaften.

Und missversteht das nicht als Wissenschaftsgegnerschaft, denn es braucht gentechnisches Wissen, zumal die Mutationsraten durch Menschheitsvermehrung, Umweltbelastung und Globalisierung möglicherweise enorm gesteigert wurden und bspw. Antibiotika zunichte machen, obgleich erst vor wenigen Generationen als Quantensprung der Medizin gefeiert.

Wenn wir politisch nicht mithalten bzw. nicht drastisch aufholen, werden wir an unseren wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten scheitern.

--- msr ---


The World Is Always Under Construction.

zuletzt bearbeitet 17.03.2018 02:34 | nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Fortschrittsfeindlich und Fortschrittsnaivität als korrespondierende Röhren
Erstellt im Forum Sonstiges von Markus Rabanus
1 01.05.2017 15:03goto
von Markus Rabanus • Zugriffe: 32

Besucher
0 Mitglieder und 1 Gast sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: brvntpubtf
Forum Statistiken
Das Forum hat 403 Themen und 1007 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :
Markus Rabanus