#1

post v. Bast

in Sonstiges 02.04.2018 15:34
von Markus Rabanus • 4.433 Beiträge

Wie die Forderung einer Welt ohne Antisemitismus diesen fördert erschließt sich mir nicht. Dass es ihn provoziert mag sein, aber was provoziert Antisemitinnen nicht?

Den Vorwurf des Doppelstandards muss ich mir gefallen lassen, da ein historisch singuläres Verbrechen eben singuläre Konsequenzen hat. Eine wäre die Gründung des Staates Israel und seine Funktion an sich. Sein Volk war und ist noch immer von völliger Auslöschung bedroht. Ich kann nicht anders, als ihm ein unbedingtes Selbstverteidigungsrecht zuzugestehen.

Selbstverständlich hat sich Israel zu rechtfertigen. Zunächst der eigenen Bevölkerung der es Schutz zu garantieren hat, die aber eben auch wenig Bock auf Eskalationen hat. Dann gegenüber seinen Partnern und Verbündeten. Zuletzt vor seinen Gegnern.

Die UN die ihrerzeit Israel legitimiert haben waren 58 mehrheitlich demokratische Staaten. Heute haben wir 193 Mitglieder, von denen weniger als die Hälfte auch nur auf dem Papier demokratisch wäre. Wenn ich guck, wer da in letzter Zeit so den Vorsitz über die Menschenrechtskommissionen geführt hat müsste ich Lachen, würden diese Staaten nicht eigene Bürgerinnen foltern.

Darum ging's ja ursprünglich und mir letztendlich lediglich: wie könnte ich dir UN in diesen Fragen als objektives Gremium ansehen?

Natürlich gibt uns gab es immer auch nichtantisemitinnen in der Welt und auch solche, die dem jüdischen Volk wohlgesonnen sind. Aber auch die haben die Shoa nich verhindert.

Ich korrigiere die 5000 Jahre, weil die Bibel keine Quelle ist auf 1000 Jahre, beginnend mit dem ersten bekannten antijüdischen Pogrom im heutigen Spanien. Lang genug, will ich meinen.

Darauf bezogen sich auch die fast gar nicht herablassenden 15 "Nachdenkminuten": mir einen Gerichtshof auszumalen. Doch daran den Konflikt zu lösen zerbrechen sich seit 70 Jahren klügere Köpfe als unsere. Ich hoffe, sie kommen bald mit nem Ergebnis um die Ecke.

Nun, gab es die idee, sich mal keinen Kopf zu machen? Den propagandakriegerinnen dort mal keine Bühne zu geben und tausende Artikel, Dokumentationen und Kommentare zu schreiben für jeden pups, der sich in diesem winzigen Stück Wüste am Pöppes der Welt zuträgt.
Tote sind schlimm. Immer. Ob zivilistin oder Dschihadisten, israeliomma oder IDF Soldatin. Aber wieso kriegt ein Artikel in dem "Gaza" steht soviel mehr Aufmerksamkeit, als stünde dort "Dafur"? Wieso emotionalisiert alle dieser Mist da so, während uns anderes scheinbar kalt lässt?

In diesem Sinne, bitte nimm mir die großzügige Bedenkzeit ab und komm mit ner guten Idee. Schick sie Netanjahu, Abbas und Trump, wenn sie gut ist. Von mir aus der UN. Ich will hoffen, dass sie Frieden schafft. Die UN hat das bisher noch nicht zustande bekommen und ich sehe noch immer nicht, wie ausgerechnet sie es könnte.


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#2

RE: post v. Bast

in Sonstiges 03.04.2018 14:30
von Markus Rabanus • 4.433 Beiträge

Dass man sich gegenüber Feinden weniger Unkorrektes leisten kann als gegenüber Freunden, schreibe ich oft und aus Betracht von Ursache und Wirkung, aber es setzt sich im politischen Geschehen aus oben beschriebenen Gründen nicht durch, wobei der Aufzählung der Herdentrieb fehlte, also nicht gegen die eigene Horde zu rennen.

Gleichwohl ist es falsch und wird noch falscher, wenn den Gegnern Israels oder den Gegnern israelischer Ausdehnung pauschal Antisemitismus und Shoa-Absichten unterstellt werden.
Dass jegliche Feindschaft Neigung hat, mehr und mehr feindliche Register zu ziehen, so auch den Antisemitismus und umgekehrt Antisemitismus- und Auslöschungsvorwürfe, gehört zum Alltag ausnahmslos aller, sei es derjenigen, die den Konflikt befeuern oder deeskalieren wollen - oder darunter leiden.

Für die Scharfmacher ist es typisch, dass sie sich der schlimmsten Scharfmacher der anderen Seite bedienen.

Für Deeskalierer ist es typisch, den besseren Leuten der Gegenseite mehr Aufmerksamkeit zu schenken,
- ohne die Scharfmacher aus den Augen zu lassen,
- ob sie nun auf der Gegenseite oder der eigenen Seite stehen.
- Wobei wiederum zu empfehlen wäre, die eigenen Scharfmacher an die kürzere Leine zu nehmen, was wiederum aus Gründen des Herdentriebs nicht geschieht, obgleich es sich auf dem Kinderspielplatz bewährt, wenn sich Eltern streitender Kinder zunächst mal der eigenen Kinder erzieherisch annehmen.

In Praxis übertragen z.B.: Gönnt man Abbas keine Triumphe, macht man die Hamas stark.


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#3

RE: post v. Bast

in Sonstiges 03.04.2018 14:38
von Markus Rabanus • 4.433 Beiträge

@Bast, einige "Nein" und "Doch" im Zweifel weglassen, denn immerhin geht es dabei um Zustimmung oder Widerspruch, zumal letzterer mit Effekt unzulässiger Unterstellung einhergehen kann.
Aufgefasst als rhetorische Figur zwecks Unterstreichung von Aussagen, darf es andererseits sein.

Israels Risiko betreffend muss ich mein Post nachbessern:

1. Religiös-faschistischen Regimes, die sich im jenseitigen Paradies wohler fühlen als im Diesseits, ist jedes Verbrechen, auch Shoa-Absicht zuzutrauen, zumal bei solchen Regimes die Abschreckung durch Zerstörung des Diesseits nicht funktioniert.

2. Diktatorischen Regimes, bei denen die Regenten mit ihrer Absetzung keine gemütliche Rente zu erwarten haben, ist es zuzutrauen, dass sie so viele mit in den Tod nehmen, wie ihnen möglich ist, zumal bei ihnen die Abschreckung nicht funktioniert, denn sie hätten nichts mehr zu verlieren.

3. Darum kommt es darauf an, die (z.B. atomaren) "Möglichkeiten" zu nehmen. Insoweit bin ich mit Netanjahu und Trump einig - selten genug.

Keine Einigkeit besteht darin, dass bspw. ein Atomwaffenverbot nur den Feinden gelten soll und nicht allgemein - oder Atomwaffen ausschließlich der UNO erlaubt.

Keine Einigkeit besteht darin, den eigenen Ganoven Möglichkeiten zu belassen, die zwar vor uns keine Angst haben müssen, weil gewählt, abgewählt und schöne Rente in Aussicht, aber an der Macht und mit Militärmacht anderen Staaten und Völkern fremde Interessen zu bedienen diktieren.

4. Die eigene Landesverteidigung über die Menschheitsinteressen zu setzen, wie es insbesondere den Atommächten einschließlich Israels Verteidigungsdoktrin ist, ist vollends inakzeptabel, weil keine Streitpartei Unbeteiligte zu Opfern eigener Streitereien machen darf, ohne sich selbst dem Urteil der Menschheit zu stellen. Deswegen Letztentscheidung durch Vereinte Nationen.

5. Als "Verteidigung", so auch als "Israel-Verteidigung" ist nicht hinnehmbar, solange es mit Annexion einhergeht. - Palästinensischen Widerstand per se als Terrorismus und Shoa-Wiederholung anzuprangern, ist Missbrauch - und je ernster jemandem mit dem Shoa-Gedenken ist, desto widerwärtiger der Missbrauch.

6. Es mag angehen, dass jemand keine Vorstellung hat, wie ein künftiger Frieden aussehen müsste, denn schwierig genug im wechselseitigen Geplärre der Verbrecher, aber es kann nicht angehen, dass jemand glaubt oder so tut, als seien generationenlange Besatzung, Blockade und Annexion geeignet, dem Hass auf Seiten der Besetzten abbauen könnten.

Deshalb lautet die Schlussfolgerung: Wer dem antiisraelischen Terrorismus und Antisemitismus ein Stoppschild aufstellen will, aber kein Stoppschild gegen die Annexion, soll zum Nahostkonflikt besser schweigen.


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zuletzt bearbeitet 03.04.2018 16:27 | nach oben springen



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