#31

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 20.09.2020 11:55
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

ich lasse mich gerne korrigieren, dass es geöffnete Großhändler gibt, zumal sich Krankenhäuser etc. auch nicht leisten könnten, ein Wochenende ohne Heizung & Warmwasser zu sein, aber ich spreche aus jahrzehntelanger Erfahrung mit "Notdiensten" - und da du vom Fach bist, weißt auch du ohne TV, dass die Ausnutzung von Notlagen und Unerfahrenheit keine Seltenheit ist.

Davor soll gewarnt sein, zumal es noch auf die Kostentragung ankommt, ob Wohneigentum oder gemietet, denn die Zumutbarkeit von Wartefristen sind im Wohnmietrecht andere als z.B. im Hotelgewerbe.

Großes Lob dafür, dass du hier beratend hilfst. ❤

Es gibt schlechte Installateure und gute.
Ich bin ein netter Vermieter, aber würde nicht widersprechen, dass es auch sehr böse gibt


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#32

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 09.02.2021 12:36
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Wer #Immobilienspekulation verhindern will, müsste den Gewinn aus Kauf und Verkauf unter Berücksichtigung von nicht abgeschriebenen Investitionen und Inflationsrate staatlich abschöpfen, sage ich mal als tatsächlicher "Immobilienhai" - und fordere es schon deshalb nicht 🙂
Aber es soll ruhig mal verraten sein, dass es Stellschrauben gibt, denn die Schwindelei von vielen meinesgleichen geht mir nicht minder auf den Keks als das linkspopulistische Gelabere.


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zuletzt bearbeitet 09.02.2021 12:42 | nach oben springen

#33

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 09.02.2021 17:05
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Viele RGG-Regelungen sind bescheuert, aber von EinfamHaus-Neubau-Verboten wüsste ich in Berlin nichts - und wären im Stadtgebiert auch gar nicht verkehrt.


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#34

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 11.02.2021 15:15
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Frank Steinberger, gute Frage, denn es lässt sich sehr verschieden definieren:
Ein Bsp., wie mir geschehen, als Berliner Behörden mich wegen "Wertsteigerung" von Mietshäusern in gleich zwei Sanierungsgebieten sechsstellig in Anspruch nahmen, obgleich meine Häuser, weil vorher auf eigene Kosten durchsaniert, gar keine Subventionen erhielten, also meine "Abgabe" bloß die Nachbarschaft finanzierte, die mehr als doppelte Miete kassierte, weil ich nie erhöhte.

So war ich "reich gerechnet" und könne ja Kredit aufnehmen. Okay, wir einigten uns auf 5 Jahre Ratenzahlung, denn ich drohte mit Presse und Präzedenz-Klage. Kaum ein Fall ist schöner als meiner:

"Wohnen muss bezahlbar bleiben!", steht auf Wahlplakaten, doch wenn sich ein Vermieter dran hält, sozialwirtschaftet und jahrzehntelang weniger Kasse macht, dann wird das bei Sanierungsgebietsabgaben und einer etwaigen Vermögenssteuer nicht berücksichtigt, auch bei Einheitswerten nicht genügend.

Vermögensmillionär ist man in Berliner Innenstadt mit jeder Bruchbude, aber nur wenn man verkauft und seinen Mietern fremdgeht und sie anderen überlässt.

Ein Vermögensmillionär ist mir kein "Millionär", wenn er sein Vermögen dem Nutzen anderer gönnt und sich selbst bloß durchschnittlichen Lebensstandard verstetigt.

Mir ist "Millionär", wer die Mio. auf dem Konto oder in Papieren hat, aber mir ist ebenfalls "Millionär", wer zehn Jahre lang 100.000 für das eigene Wohl verprassen kann, ohne in Armut zu landen.


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#35

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 14.02.2021 13:41
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Dass der Flächenverbrauch von Mehrfamilienhäusern größer ist, dürfte schon mal unstrittig sein  
Auch hinsichtlich der Baustoff- und Energiebilanz sind Mehrfamilienhäusern klar im Vorteil.
Folglich auch mit den Baukosten - und desgleichen mit den kommunalen Infrastrukturkosten.

Den Wohnungsmangel zu beheben, ist schon deutlich schwieriger, zumal sich die Wohnungsnot sozial differenziert:

1. Die Opferbereitschaft für Einfamilienhäuser ist größer. Für die größere Exklusivität des Eigenheims auf eigenem Grund lassen sich Käufer je nach Geldbeutel auf viele Einschnitte in anderen Konsumbereichen ein, z.B. Verzicht auf teures Reisen, teures Auto, teure Restaurantbesuche usw.

Mehr Opferbereitschaft, mehr Bau - und beeinflusst durch Flächenausweisung, Bauordnungen und dem Grad von Individualisierung/Anonymisierung mit Wirkung auf gegenseitiges Bauhelfen.

2. Der Mietwohnungsbau, soweit privat finanziert, steht in Konkurrenz zu anderen Anlageformen. Das lässt sich durchdeklinieren, z.B. Vermögensflexibilität, Anlagesicherheit, Dividenden oder Mieten, Spekulation auf Veräußerungsgewinn, steuerliche Aspekte, wenn bspw. Kapitalerträge aus dem Papiermodus gegenüber der GuV aus Vermietung so arg begünstigt werden, wobei die Nullzinspolitik und Währungsängste auch im Immobilienbereich die Blase größer pusten.

Die Entscheidung für Mietwohnungsbau hängt überdies von der Ausgestaltung des Sozialen Mietrechts ab, worüber ich ganze Bücher schreiben könnte und viele einzelne Für & Wider auch hier in Berlin wissen ließ, aber alle Politik setzt weit lieber auf die Wirkung von Sprüchen als auf die realen Wirkungen der Gesetze daraus.

3. Wer Renditen aus Mietwohnungsbau abschalten oder zu arg limitieren will ("Wohnen darf keine Ware sein"), schaltet den privat finanzierten Wohnungsbau ab, wirtschaftet den Bestand herunter und müsste den öffentlich finanzierten Wohnungsbau steigern.
Der öffentliche Wohnungsbau war/ist und wird allerdings immer viel teurer, weil es nicht um niemandes Eigengeld geht.
Der öffentliche Wohnungsbau müsste sehr vorrangig für die Ärmsten der Armen vorbehalten sein, denn die haben in wohnungsknappen Zeiten rein gar nichts von "Mietendeckeln".
Und Besserverdienende sollten Fehlbelegungsabgabe in Höhe der ortsüblichen Mieten zahlen und nur zum Zuge kommen/verbleiben, wenn und solange der Bedarf für die Ärmsten gedeckt ist. Anderenfalls ist der Korruption statt Wohnungsnotbehebung gedient.

4. Die Eigentumswohnungen sind Kapitalanlage und/oder können zur Alterssicherung beitragen, aber im Vergleich zu einer Mietwohnung die für viele Berufe erforderliche Ortsflexibilität einschränkend, mit Baurisiken und den Insolvenzrisiken anderer WEG-Mitglieder behaftet, selbstgenutzt wie Mieter ohne Mieterschutz und statt Vermieter die Bank als Finanzierer/Gläubiger. Und das Insolvenzrecht ist ungnädiger als das Mietrecht, zumal das "JobCenter" vor Hilfen die Vermögenslosigkeit verlangt.

Preisgünstigkeit von EtW nur dann, wenn die WEG in erkennbarer Schieflage, ansonsten viel höhere Quadratmeterpreise als bei ganzen Mietshäusern, denn je kleiner eine Ware, desto mehr können es sich leisten und weniger Mengenrabatt.

5. Der Genossenschaftsbau könnte verstärkt werden, braucht aber viel Initiative, geschäftliche Erfahrung, Anstand - alles Mangelware und die lässt sich sehr gerne hoch bezahlen.

6. Viel weniger Wohnungsnot wäre, wenn es gelänge, den Sog der attraktiven Regionen zu reduzieren, denn anderswo massenweiser Leerstand und Abriss.
Das ist das schwierigste Moment aller Überlegungen, aber ob schön oder fies - man kommt solchem Problem nicht bei, indem Berlin so mietpreisgünstig wie Eisenhüttenstadt gemacht wird, wie es viele meinesgleichen mit Binnen-Migrationshintergrund fordern und als "Milieuschutz" kaschieren, geboren in Dortmund oder der Eifel - und sitzen für nachziehende Landeier im Abgeordnetenhaus  

Schonungslosigkeit auch in eigener Sache müsste sein, wenn Wünsche, Gesetze auf Wirkungen geprüft werden sollen, aber der politische Wettbewerb - zu dem es keine vernünftige Alternative gibt - zieht zugleich der Vernunft Grenzen in dem Maße, wie die Gesellschaft schlau/dumm ist, zwischen bloßen Versprechen und realistischen Konzepten zu unterscheiden - und wie sich Klientel-Lobbyismus zur Politik Vortritt verschafft.

Dazu leistet der Bildungssektor wenig - und leider kommt dazu auch wenig aus der Wissenschaft.


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#36

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 14.02.2021 13:51
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

eine Menschheit, die sich wie Kaninchen vermehrt, weil die Wölfe erschossen, landet unweigerlich in "Hasenkästen" - mit Ausnahme derer, die aus Kaninchenvermehrung Geschäftsmodell zu machen wissen.
Und wo es nicht die Vermehrung ist, sondern Binnenwanderung, ist es ähnlich.
Sowat wollen wir nicht bestreiten. Oder?


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#37

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 15.02.2021 11:13
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Wohneigentumsförderung und Baukindergeld privilegieren nur Besserverdienende und hätten nur Gutes, wenn an Mehrfamilienhäuser gebunden, zwecks Anreiz für weniger Verbrauch an Fläche, Baustoffen, Energie und weniger Infrastrukturkosten.
Dat is' jetzt ein Beitrag zur geforderten Diskussion - und nun? 😉


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zuletzt bearbeitet 15.02.2021 11:22 | nach oben springen

#38

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 15.02.2021 12:26
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Wohneigentumsförderung für in ETW umgewandelte Mietshäuser wäre falsch, weil es a) keinen Wohnraum schafft, b) weil es Mietwohnungen braucht für alle, die auch mit Förderung nicht selbst bauen und Gebäude unterhalten können.
Würde daraus politische Konsequenz, wäre Nachteil für mich, aber zumutbar - zum dringenden Gemeinwohl der Allgemeinheit wenigstens in Boom-Regionen.


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#39

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 28.02.2021 04:26
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Verkauf der Großpakete an Großkonzerne war blöde, denn kleinere Pakete hätten mehr Geld in leeren Kassen gebracht.
Nun wieder blöde, wenn teurer Rückkauf gewünscht wird, der keine neue Wohnung schafft & womöglich überhaupt nicht funktioniert oder irgendwann als Blase platzt, wenn der politische Tiefstzins nicht mehr zu halten ist.

Populismus ist immer Irrweg.


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#40

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 16.04.2021 02:21
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Und wer sich nicht freut, muss ebenfalls vernünftige Lösungen vorschlagen, denn Nölen schafft keinen Wohnraum.

Das Gesetz war eine Frechheit und "verfassungswidrig mit Ansage", aber x-fach erklärt, aber das interessiert die Politik nicht, wenn sie sich als Wohltäterin einseitig in Szene setzen will.

Kurz mal nur zwei Argumente:

1. In Berlin gibt es massenweise preisgünstige und knapp kalkulierte Vermietung, weil viele Vermieter keine Halsabschneider sind, aber genau solche Vermieter müssen auch Preissteigerungen durch Mieterhöhung mitnehmen können.

Und solche Vermieter haben rein gar nichts damit zu tun, dass Wohnungen fehlen, was gierige Vermieter allerdings ausnutzen.
Aber anstatt deren Wucher = "Ausnutzung von Notlage" anzugehen, wollte man fünf Jahre und möglichst noch darüber hinaus jegliche Mieterhöhung verbieten, als gäbe es keine Inflation.

2. Es war uns ein Monat Arbeit, um allen Mietern in knapp bemessener Frist ein Gutachten zukommen zu lassen, welches die Preisrichtigkeit der Wohnung dokumentiert. - Als habe man nichts anderes tun. Und das blieb liegen zum Nachteil der Mieter, denn "freundlicherweise" hatte der Senat die wichtige Rauchmelderpflicht den Vermietern statt den Mietern aufgebürdet, was ebenfalls Irrsinn war, es sei denn, man habe hohe Mieten und leiste sich für alles Fremdfirmen.
Wir aber hatten es immer in den Mietverträgen als Mieterpflicht. Und das war akzeptiert, von uns gelegentlich kontrolliert, weil ja auch wirklich lebensrettend.

Zwar hätten mich meine Mieter wegen fehlenden Gutachtens wahrscheinlich nicht verklagt, denn entweder seit Jahrzehnten stabile Niedrigmieten oder sehr moderate Neuvermietung, aber ich hätte mich strafbar gemacht und es drohten Bußgelder von "20.000 bis 500.000 Euro" (!), glücklicherweise keine Todesstrafe   , aber was denken die sich mit "500.000 €", wenn Bußgelder nicht sachlich an Streitwerte gekoppelt werden.

Man wollte und will den Mietern imponieren - und tut nun so, als sei das BVerfG böse.

Wer Familien und geldknappen Mietern den Wettbewerb mit Besserverdienern erleichtern will, müsste Quoten einführen oder Lotterie, denn Wohnungsnot kommt auch mit niedrigsten Mietern fast immer nur den Besserverdienenden zugute.

./.

"Wohnen ist Menschenrecht" - und so ähnlich steht es auch in der Berliner Landesverfassung anerkannt, aber dann baut mal Wohnungen - und es ist tatsächlich teuer   und wird nicht reichen, wenn in Verliererregionen ganze Siedlungen abgerissen werden.


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#41

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 16.04.2021 13:29
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

In Wien eine Wohnung zu suchen, macht auch keine Freude - und ich kann es mir zwar leisten, meine abgezahlten Berliner Häuser noch deutlich unter 5 € bruttokalt pro Quadratmeter zu vermieten - z.B. in meiner Adresse und schönstem Haus der Straße, viele 95 qm-Wohnungen für weniger als 3 €, aber 5 € sind absolut unwirtschaftlich, wenn solche schönen Häuser im Bestand erhalten und modernisiert sein sollen.

Soziales Wirtschaften ist knappes Wirtschaften und vor allem gescheites Wirtschaften.
Wer Sozialpolitik machen will, aber nicht mitrechnen mag, fährt den Karren vor den Baum.

Darum verkaufte ich zwei Häuser, für deren Abzahlung und Modernisierung ich ca. 25 Jahre brauchte - und dann "binnen 6 Wochen" mehrere Jahreserträge als "Sanierungsgebietsabgabe" zahlen sollte,
- obgleich ich hatte meine Häuser bereits saniert/modernisiert, als das Sanierungsgebiet noch gar nicht beschlossen war, also auch keine Subventionen bekam
- und mit meiner "Sanierungsgebietsabgabe" nun bloß die viel mietpreishöhere Nachbarschaft subventionieren sollte, für die solche Abgabe dann wegen höherer trotzdem Plusgeschäft war.

So in Mitte und PrenzlBerg.

Meine Mieter waren traurig und boten mir Mieterhöhung an, aber sie verstanden, dass ich keine Lust mehr hatte, nun erneut Kredite aufzunehmen oder aus anderen Häusern querzufinanzieren.

Die Querfinanzierung machte ich immer, aber halt auf Gegenseitigkeit der Häuser - und nicht für Häuser hochpreisiger Nachbarschaft.


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zuletzt bearbeitet 16.04.2021 13:31 | nach oben springen

#42

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 13.05.2021 13:31
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

"50 % der CO2-Steuer sollen Vermieter zahlen"

Bei Häusern mit kombiniert zentraler Heizung und Warmwasserbereitung werde ich aber sauer sein, wenn die Leute zu lange unter der Dusche stehen ;-)

Meine Mieter haben es gut, denn sie bekamen noch nie Mieterhöhungen, weil sich Kostensteigerungen durch Neuvermietung auffangen ließen, bis inzwischen niemand mehr umzieht.
Und ich bin keine Ausnahme, denn in Berlin gibt es viele sehr preisgünstige Wohnungen - nur halt bewohnt - und die Schaffung neuen Wohnraums ist mir zu teuer.

Was es braucht, ist Sozialer Wohnungsbau, aber mit Wiedereinführung der Fehlbelegungsabgabe, damit die wirklich finanziell Schwachen zum Zuge kommen.


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#43

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 18.06.2021 13:20
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Anfang der Neunziger interessierte ich mich für das besetzte Eckhaus Rigaer/Liebigstr. Es sollte ca. 3/4 Mio. DM kosten und hätte mit ca. 300.000 DM saniert/modernisiert noch preisgünstig vermietet werden können.
Aber die Besetzer waren zu abgedreht, wollten alles zum Nulltarif, denn das Haus gehöre ihnen.

Ich witzelte, daraus ein Mehrgenerationenhaus zu machen, so dass auch ihre Eltern einziehen und im Alter von den Jüngeren gepflegt werden. Aber das entsprach nicht den hormonell bedingten Wünschen des Flüggewerdens von Nestflüchtigen.
Und Irrsinn, dass diese Einstellung politische Unterstützung fand, mit Geschwafel von "Freiräumen" usw. - jahrzehntelang.

ABER nicht minder politisches Versagen, wenn gleichzeitig und ebenfalls jahrzehntelang große Wohnhäuser im Leerstand verblieben - und meine Kaufangebote mit fadenscheinigen Begründungen von Ämtern abgelehnt wurden, die den von ihnen verwalteten Kommunal-Besitz auf erste Anfragen oft gar nicht kannten - oder "ungeklärte Vermögensverhältnisse" vorschoben, obgleich es dafür Regelungen gab, wie ich sie mitunter nutzte.

Oft hätte ich es für RICHTIG gehalten, solche Gebäude würden protest-besetzt, aber für derlei Proteste finden sich eben leider meist nur Idioten - und keine BürgerInnen, die den kommunalen Besitz vergeudet sehen.

Und Schande über die Parteien, denn sie hocken alle tief drin in schlechter Verwaltung - und versuchen allenfalls, aus den von ihnen selbst verursachten Missständen politisches Kapital zu schlagen - die einen auf Seiten ihrer sich ideologisch verbrämenden Rechtsbrecher, die anderen als "Hüter von Recht und Ordnung", bloß eben, dass die Ordnung aus Versäumnissen ist - und auch nicht "rechtens", je näher der Einzelfall beschaut.


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zuletzt bearbeitet 18.06.2021 13:22 | nach oben springen

#44

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 18.06.2021 13:22
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Achim Kockerols, ja, das gab es - und machte wenig Schlagzeilen, war aber immer Klientelgeschenk, wie jetzt auch mit den teuren "Rückkäufen", obgleich Rechtsberatung und Wirtschaftsstrafnormen gegen schikanöses "Modernisieren" locker genügen würden.

Die Besetzerszene betreffend reichen meine Erfahrungen weit in die Achtziger zurück, z.B. als ich mit FU-Mandat dem damaligen CDU-Bausenator Rastemborski ein leer stehendes Haus für obdachlose StudentInnen abverhandelte und dafür seitens der "Szene" vollends verrückt beschimpft wurde, weil "verhandelt" und nicht "erkämpft".

Dann kamen keine "Obdachlosen" hinein, sondern Vollidioten, die es auf Stress mit der Polizei anlegten, um von der "Szene" als "Kämpfer gegen die Repression" ernst genommen zu werden.

Oder ein anderer Fall, dass Besetzer ein vom Senat ihnen in Westberlin zehn Jahre zuvor übereignetes Haus teuer verkauften und vom Geld ein Haus, welches ich in Weißensee für US-Amerikaner rückübereignete, die es aber mit damaligen Mieten nicht halten und aus verständlichsten Gründen nichts mehr mit Deutschland zu tun haben mochten. - Die ehemaligen Hausbesetzer machten Eigentumswohnungen daraus.

Es sind nicht die "Bedürftigen", die Häuser besetzen oder deren Häuser "rückgekauft" werden, denn die Bedürftigen wohnen eher in meinen Häusern - und kommen auch bei den kommunalen Vermietern nicht zum Zuge, weil sozialer Chauvinismus und Rassismus auch in vielen Köpfen ist, die uns so fortschrittlich tun, aber denen mehr an Bequemlichkeit mit ihresgleichen Besserverdienenden liegt - und "linken" Politikern, die es nicht ansatzweise interessiert, wenn z.B. in meinen Häusern große Wohnungen von Geschiedenen jetzt auch noch legalisiert teuerst untervermietet werden, während es für Familien an größeren Wohnungen fehlt.

Soziales Wirtschaften ist möglich - und ich erkläre es Politikern oft, die dann immer brav nicken, aber denen es wichtiger ist, mit platten Parolen und Entscheidungen Stimmen zu holen - mit Klientelpolitik den Zusammenhängen schaden, anstatt sie besser zu ordnen.


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#45

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 18.06.2021 16:31
von Markus Rabanus • 7.039 Beiträge

Josef, kann sein, dass nicht genug versucht wurde - und "besser weggucken & Ruhe" angesagt war, aber vernünftige Einigung ist nicht mit allen möglich.

Ich war in den Neunzigern für ein paar Stunden drin - im besetzten Eckhaus Rigaer/Liebigstr., aber damals war mein Befund, dass es keine politisch Engagierten/Interessierten sind, sondern entgleiste Bürgerkinder, die bloß mit pubertär-"linken" Parolen ihre Verachtung für jegliche Normen und Gesellschaft als "Freiraum" kaschieren & ausleben wollten.
Deren wichtigstes Thema auf großen Fassadentransparenten: "Olympia-Boykott" - okay, einerseits/einerseits  , auch ich brauche für DE keine Goldmedaillen, aber nicht alle müssen meine Vorlieben teilen.

Jedenfalls hätte ich das Haus gekauft und sozial bewirtschaftet, konnte es mir locker leisten, denn ich verdiente gut, keinen kostspieligen Lebenswandel, stattdessen damals noch Freude am "Wachsen" und immer schon Spaß am Denken und Experimenten, sofern sie funktionieren - deshalb gerne auch "alternativ", wenn Kreatives und Soziales für die Gesellschaft erkennbar gewesen wäre, aber nicht für die damaligen Leut', die sich auch untereinander allenfalls darin einig waren, die Gesellschaft anzukotzen.

Ich kann mit sowat lustig - und wurde auch verstanden, aber ein Projekt mit Verpeilten, deren Verpeilung von opportunistischen Politikern noch als "legitim" unterstützt wird, wäre wie Diebstahl an anderen Häusern gewesen.


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