#1

Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 16.05.2018 11:34
von Markus Rabanus • 1.134 Beiträge

Und anderenorts Leerstände und Abriss.

Wollt Ihr die Ansicht eines Immobilienhaies hören, dem die Makrelen vertrauen?

Dann so: Was glaubt man wohl, wie es um die Wohnungsnot in München, Hamburg und Berlin stehen würde, wenn die Mieten bloß 10 Prozent höher als in Schwerin und Chemnitz wären?

Was glaubt man wohl, wer dann bei Vermietern die besseren Chancen hätte? Auch bei gedeckelten Mieten bekommen die Besserverdienenden den Vorzug.

Das Einzige, was Normalverdienern und Ärmeren helfen würde, wären der Würfel oder Quoten, aber es ist sozialer und wirtschaftlicher Unfug, wenn den Besserverdienenden das Wohnen billig gemacht wird "wegen der Ärmeren".

Nebenbei: Da meine Hobbys fast kostenlos sind (Friedensforschung.de usw.) und meine Jobs einträglich, brauchte ich meinen vielen Mietern seit 1987 nie die Mieten zu erhöhen und kam ohne Subventionen aus, weil gelegentlicher Mieterwechsel Mischkalkulation ermöglichte und Kostensteigerungen kompensierte. Altmieter haben es gut, zahlen ja auch schon länger, Neukunden steigen nicht ganz so günstig ein, aber schon unter dem stadtweiten Mittelwert aus Alt-und Neumieten.

Inzwischen funktioniert solche Mischkalkulation nicht mehr, weil bei mir niemand mehr auszieht, sondern obendrein mit oder ohne Internetplattformen die Zimmer der ausgeflogenen Partner und Kinder untervermietet. Oft zu Höchstpreisen. Steuerfrei. Zwar mit zweierlei Grenzen, aber mitunter jahrelang zu Höchstpreisen: Gemietet für 180, untervermietet für 600 € usw. = keine Seltenheit.

Dem Grunde nach gönne ich Mietern jedes Glück und Geld, jedoch nur, insoweit sie mir keine Familienwohnungen blockieren und nicht Schabernack mit anderen treiben, den ich ihnen erspare.

Manche nennen es "dumm", auf solche Weise zu wirtschaften. Mir ist es eher ein Ding von Prioritäten und Machbarkeit = scharf kalkuliert und Großmaßnahmen möglichst auf angesparte Erträgen verschieben, damit nicht noch Banken mit den Mieten glücklich gemacht werden müssen.

So lässt immerhin wirtschaften und günstig gekauft sogar mit Wachstum, was den Altbestand nicht belastet, sondern flexibilisiert.

Nun aber flatterte mir für ein Haus im Ortsteil Prenzlauer Berg eine "Berechnung zur Sanierungsgebietsabgabe" herein, die städtische Sanierung des Gebietes und benachbarten Häuser habe mir den Wert erhöht.

Ja, der "Wert hat sich erhöht", aber in Berlin nicht wegen der "Sanierung", sondern wegen der Niedrigzinspolitik und des Zuzugs aus den Provinzen, denen die Menschen weglaufen.

Die amtliche Forderung: 104.000 EURO.

Das entspricht bei meiner knappen Kalkulation mit Niedrigmieten, wie sie auf Wahlplakaten gefordert werden, dem vierfachen Jahresertrags vor Steuern.

Nun wäre ich also mit meinen Niedrigmieten wirklich der Dumme   , weil keine Rolle spiele, wie ertragreich das Haus real ist, sondern wie es wäre, wenn ich stets gesteigert hätte, wie ich es durfte: Früher waren 20% Mieterhöhung zulässig, heute sind es 15% im Mehrjahresabstand, was für die "Sanierungsabgabe" nicht viel bringt bei Nettomieten von teilweise unter 200 Euro für 75 qm und mehr.

Okay, es ist nicht das erste Mal. Und wieder wird die Folge sein: Mich hausweise reicher rechnen und abkassieren zu lassen, als ich durch das Haus bin, ist mir des Luxus zu üppig.

Dann ist es besser, sich mit solch' betroffenem Haus tatsächlich wenigstens so reich zu machen, wie durch Verkauf trotz niedriger Mieten dennoch inflationsbereinigt möglich.
Dass ich den Mietern die amtsseitig behauptete Wertsteigerung bezahle, kommt über die niedrigen Mieten hinaus so wenig in Betracht, wie auch nicht in Zuschüsse aus den Mieten der anderen Häusern sein sollen, sondern nur auf Gegenseitigkeit.

Kapiert? Die LINKE, SPD und GRÜNE interessiert sowat nicht  , obgleich meiner Wahl, aber echte Sozialpolitik mit Privatwirtschaft ist eben oft wat anderes als linker Populismus.

Mich kümmert es nicht über die Kritik hinaus - und meine Mieter gönnen es mir, dass ich respektieren, dass , denn lieber weniger defekte


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#2

RE: Mietenpolitik & Sanierungsgebiet

in Sonstiges 16.12.2018 14:21
von Markus Rabanus • 1.134 Beiträge

SPÖ 11.12.2018: "Unser Antrag zur Streichung der Mehrwertsteuer auf Mieten hätte die Mieten dauerhaft um 10 Prozent für 1,6 Millionen Menschen gesenkt. Schwarz-Blau hat aber dagegen gestimmt. Leistbares Wohnen für die Menschen in unserem Land ist dieser Regierung offenbar egal. Für wen macht Schwarz-Blau eigentlich Politik?"

msr: Naja, es ist aber auch keine Sozialpolitik, dem Staat Einkünfte zu nehmen, die er zum Ausgleich sozialer Härten verwenden könnte und sollte.

Gertraud: "heißt übersetzt was?"

msr: Dass es besser wäre, die auf Mieten vereinnahmten Umsatzsteuer z.B. in Sozialwohnungen zu investieren, die ausschließlich an Mieter vergeben werden, die auf dem Wohnungsmarkt schlechtere oder gar keine Chancen haben.

Sibylle Röhrig: "Sebastian..., bei Dir merkt man auch, auf welcher Seite du stehst... ,bist halt ein Vermieter...Dass das funktioniert, was du da ansprichst, glaub ich nicht. Das Geld versickert wieder, z. B. in ,,Diaetenanpassung" und Förderung tollerer Regierungspalaeste..."

msr: Sibylle R.
, glaubst du, dass Vermieter froh wären, wenn in Deutschland Wohnungsmieten umsatzversteuert werden müssten? - Nur ganz, ganz wenige, so dass ich keinen einzigen kenne, der es fordern würde.
Dass viele Steuern fehlverwendet werden, steht auf ganz anderem Blatt. Wenn der Staat beim Vermieten nicht abgreift, dann versickert halt mehr auf Golfplätzen. Jedenfalls bei Vermietern, die abgreifen, was der Markt hergibt.
Während bei deinem Markus Menschen z.B. einige Altmieter im schönsten Haus der Straße keine 200 € netto für 95 qm zahlen.
Deshalb: Es ist gut, wenn jemand schaut, "wer" argumentiert, denn daraus ist häufig die Seitenwahl, aber halt nicht immer, weshalb schon noch geschaut muss, "was" jemand sagt.

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NICHT GEPOSTET

@Gertraud, in meinen Berliner Mietshäusern wohnen die Leute noch zu Mieten von 1992, weil ich genügend anderweitig verdiene, gut wirtschaften kann und billige Hobbys habe, wie Friedensforschung.de , aber es ist auch etwas Luxus und Unfug, den ich meinen Mietern ermögliche, dass durch solch' billige Mieten meine Mieter nicht bezahlen, was Handwerker inzwischen kosten und die Autos vieler Mieter immer größer werden - und meine Autos immer kleiner   vom LKW abgesehen.
Bin also sehr sozial, aber es ist falsch, weil es in Wahrheit nicht den ärmsten Mietern hilft, sondern gutsituierten Mietern z.B. Mietwucher durch Untervermietung. Und lässt sich nicht abstellen, weil der Gesetzgeber das Recht der Mieter auf Untervermietung immer mehr ausweitete.
Z.B. 100-Quadratmeter-WE mit vier Zimmern in Berlin-Mitte kostet meinen Mieter knapp 200 € netto. Er untervermietet zimmerweise "günstig" für 350 € und jahrzehntelang unversteuert. Erst jetzt will das Berliner Senat ändern.


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zuletzt bearbeitet 16.12.2018 20:11 | nach oben springen


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