#1

Albert Einstein

in Dialoglexikon.de 05.12.2018 20:25
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

The World Is Always Under Construction.
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#2

Albert Einstein über Mensch, Gott und Religion

in Dialoglexikon.de 05.12.2018 22:35
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

#Einstein über Religion

2,9 Mio. US-Dollar ließ es sich ein anonymer Bieter kosten - für einen 1954 im Alter von 76 Jahren handgeschriebenen Einstein-Brief an den Philosophen Eric Gutkind.

Das ist teuer ;-) Was wird nun daraus? Kaufte jemand für den privaten Tresor oder für Öffentlichkeit?

In dem Brief heiße es u.a.: "Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern."

"für mich" wiederholt Einstein - und im zweiten Satz verklammert.

Für mich gilt das auch - ebenfalls verklammert, denn vielen gilt anderes und sie werden sich weiterhin in Auslegungen versuchen, allerdings gemahnt, sich den Herkünften der interpretierten Texte und deren Heiligwerdung zu stellen.

Aufrichtigkeit lautet das Zauberwort in Wissens- und Gewissensfragen, denn Überzeugung ist zu häufig menschliche Schwäche als Faulheit und Heuchelei, Angst vor Wahrheit.

Gerne kennte ich den gesamten Brief. Besonders bei Einstein lohnt es, keinen Umweg über die Sekundärliteratur zu gehen, denn er dachte sich so schön sortiert ins Chaos.
Die Ordnung bzw. Beweggründe im Chaos zu finden, ist Wissenschaft.
Was wir für Chaos halten, was wir an Chaos sehen oder nur erahnen, ist das bekannte noch Unbekannte, ist unser heutiger Horizont.

Gott "als letzte Antwort" ist mir also bloß eine Flucht vor dem Chaos anstelle es verstehen zu wollen - einschließlich der persönlichen Grenzen, die uns näher sind als unseren Nachkommen, es sei denn, wir vergeigen die Zukunft.


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zuletzt bearbeitet 05.12.2018 23:46 | nach oben springen

#3

RE: Albert Einstein über Mensch, Gott und Religion

in Dialoglexikon.de 05.12.2018 23:47
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Princeton, 3.1. 54

Lieber Herr Gutkind!

Angefeuert durch wiederholte Anregung Brouwers habe ich in den letzten Tagen viel gelesen in Ihrem Buche, für dessen Sendung ich Ihnen sehr danke. Was mir dabei besonders auffiel war dies. Wir sind einander inbezug auf die faktische Einstellung zum Leben und zur menschlichen Gemeinschaft weitgehend ähnlich: über-persönliches Ideal mit dem Streben nach Befreiung von ich-zentrierten Wünschen, Streben nach Verschönerung und Veredelung des Daseins mit Betonung des rein Menschlichen, wobei das leblose Ding nur als Mittel anzusehen ist, dem keine beherrschende Funktion eingeräumt werden darf. (Diese Einstellung ist es besonders, die uns als ein echt "unamerican attitude" verbindet.)

Trotzdem hätte ich mich ohne Brouwers Ermunterung nie dazu gebracht, mich irgendwie eingehend mit Ihrem Buche zu befassen, weil es in einer für mich unzugänglichen Sprache geschrieben ist. Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind naturgemäss höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen. Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens. Und das jüdische Volk, zu dem ich gerne gehöre und mit dessen Mentalität ich tief verwachsen bin, hat für mich doch keine andersartige Dignität als alle anderen Völker. Soweit meine Erfahrung reicht ist es auch um nichts besser als andere menschliche Gruppen wenn es auch durch Mangel an Macht gegen die schlimmsten Auswüchse gesichert ist. Sonst kann ich nichts „Auserwähltes“ an ihm wahrnehmen.

Überhaupt empfinde ich es schmerzlich, dass Sie eine privilegierte Stellung beanspruchen und sie durch zwei Mauern des Stolzes zu verteidigen suchen, eine äussere als Mensch und eine innere als Jude. Als Mensch beanspruchen Sie gewissermassen einen Dispens von der sonst acceptierten Kausalität, als Jude ein Privileg für Monotheismus. Aber eine begrenzte Kausalität ist überhaupt keine Kausalität mehr, wie wohl zuerst unser wunderbarer Spinoza mit aller Schärfe erkannt hat. Und die animistische Auffassung der Naturreligionen wird im Prinzip durch Monopolisierung nicht aufgehoben. Durch solche Mauern können wir nur zu einer gewissen Selbsttäuschung gelangen; aber unsere moralischen Bemühungen werden durch sie nicht gefördert. Eher das Gegenteil.

Nachdem ich Ihnen nun ganz offen unsere Differenzen in den intellektuellen Überzeugungen ausgesprochen habe, ist es mir doch klar, dass wir uns im Wesentlichen ganz nahe stehen, nämlich in den Bewertungen menschlichen Verhaltens. Das Trennende ist nur intellektuelles Beiwerk oder die „Rationalisierung“ in Freud'scher Sprache. Deshalb denke ich, dass wir uns recht wohl verstehen würden, wenn wir uns über konkrete Dinge unterhielten.

Mit freundlichem Dank und besten Wünschen,

Ihr A. Einstein


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#4

RE: Albert Einstein über Mensch, Gott und Religion

in Dialoglexikon.de 05.12.2018 23:47
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Genau soooo mag ich ihn: Klar in der Ansage und trotzdem respektvoll. - Antihordistisch, pragmatisch humanistisch.


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zuletzt bearbeitet 05.12.2018 23:48 | nach oben springen

#5

RE: Albert Einstein über Mensch, Gott und Religion

in Dialoglexikon.de 06.12.2018 00:04
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Lieber Herr Lesch, auch ohne Gott wäre kein Chaos, sondern Gebote, Verbote und Macht, die über Einhaltung wacht, denn ohne Ordnung traute sich niemand ohne Waffe aus der Hütte.

Die Ordnung bzw. Beweggründe im Chaos zu finden, ist Wissenschaft. Was wir für Chaos halten, was wir an Chaos sehen oder nur erahnen, ist das "bekannte noch Unbekannte", ist unser heutiger Horizont.

Gott "als letzte Antwort" war und ist m.E. bloß Flucht vor dem Chaos, Angst vor den persönlichen Grenzen, die uns näher sind als unseren Nachkommen, es sei denn, wir vergeigen die Zukunft.


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#6

RE: Albert Einstein über Mensch, Gott und Religion

in Dialoglexikon.de 15.12.2018 12:34
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

@Dieter Kl., wenn für Einstein das Verstandene interessanter gewesen wäre als das Unverstandene, dann wäre er kein Wissenschaftler, sondern allenfalls Experte gewesen.


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zuletzt bearbeitet 15.12.2018 12:35 | nach oben springen

#7

RE: Albert Einstein

in Dialoglexikon.de 15.12.2018 14:07
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

UNFERTIG

@Dieter, für jemanden, dem das Verständnis für das eigene Wirtschaften das Verständdafür relevanten Grundrechenarten und das Verständnis alltagsrelevanter Kausaligenügen, sind Einsteins physikalische dass meine Vorstellungskraft hier und da überstrapaziert wird, ist mir in vielen Belangen geläufig, aber kein Drama, sondern Freude - und weniger als bei Leuten, die sich weniger umschauen in der Welt. Auch das hat mit Relativität zu tun. Drum waren mir Einsteins Theorien schon bei erster Begegnung sympathisch.

Dann noch die Freude, dass Einstein spätestens nach dem 2. Weltkrieg zu exakt meinen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Friedenssicherung gelangte, wie das Buch "Frieden - Weltordnung oder Weltuntergang" mit all den Einstein-Briefen zeigt.
Niemand sonst argumentiert so sehr in meinem Sinne, wie es Einstein tat. Unsere Parteien nicht - und auch nicht die Friedensbewegung.

Mir halte ich zugute, dass ich es am besten erkläre, auch wenn meine es am Denken und Handeln in der Politik wenig ändert, aber das denn die elf Zeilen vom pazifistischen Manifest

UNFERTIG


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#8

RE: Albert Einstein

in Dialoglexikon.de 27.12.2018 14:56
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Albert Einstein vermochte es. In zahllosen Briefen: Angewandte, politische Relativitätstheorie, womöglich notwendiger Relativismus, doch somit Gegenteil von Nihilismus.

Ich verschenke es oft. Und wer es liest, ist bedrückt, dass so viel logische Menschlichkeit so wenig bewirkte, weil zu wenig Verstand für Selbstdistanz, obgleich es auch entspannen kann, nicht alles können zu müssen, was man müssen zu können glaubt.


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zuletzt bearbeitet 27.12.2018 15:00 | nach oben springen

#9

RE: Albert Einstein

in Dialoglexikon.de 14.03.2019 14:41
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Einstein als Genie gewürdigt, mit Zitaten in aller Munde, aber mit seinen politischen Schriften nur wenig bekannt.
Mir ist Einstein auch der bedeutendste Pazifist und Humanist aller Zeiten, denn nicht nur Logik in Formeln, sondern auch in PsychoLogik von Menschheit und Politik, dem zwingendem Erfordernis globaler Übereinkünfte anstelle des Wettrüstens.
Darum scheint mir nach vielem Überlegen Einsteins Briefesammlung zum "Frieden - Weltordnung oder Weltuntergang" das "Wichtigste Buch der Welt".


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#10

RE: Albert Einstein

in Dialoglexikon.de 18.06.2019 15:28
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

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#11

RE: Albert Einstein

in Dialoglexikon.de 18.06.2019 15:30
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Eli Schalom, FREUE mich, dass du fragst - und wirst es nicht bereuen, denn wenn jemandes Texte zu empfehlen sind, dann Einsteins allen voran, wie die Friedenssehnsucht auch ihm auf der Suche noch (naive) Irrtümer bescherten, aber wissenschaftlich angegangen dann doch die Lichter aufgingen   Und das gegen und wegen aller Probleme, die 1945 eben nicht überwunden waren, sondern immer wieder hypergefährlich zuspitzten.

Ich überlege grad, auf welche Weise du zu den Texten kommst, aber das offizielle http://www.alberteinstein.info lässt sich leider schwieriger handhaben als die vom offiziellen Einstein-Archiv in Buchform lizenzierte Textsammlung:
"Frieden - Weltordnung oder Weltuntergang".

In meiner völkerrechtlichen Ausleihe habe ich davon mehr als 20 Exemplare. Aber eher für die Leihe im Besucherverkehr, denn Porto hin und Porto zurück lohnen zu wenig den Unterschied zum Gebrauchtkauf in Antiquariaten oder Onlinbuchhändlern.

Bei Amazon oft unter 8 Euro inkl. Porto für mehr als 600 Seiten, ganz leicht zu lesen, zumal überwiegend kurze und prägnante Briefe.

Falls du jedoch Berlin wohnst, sollten wir uns sowieso mal treffen. DANN schenke ich es dir  



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leider nur einzelne Zitate bei mir, wie ich sie für meine Anliegen brauchen konnte, aber stets schlechten Gewissens, weil ich deren Zusammenhang nicht kannte und eher die Recherche fürchtete, dass er es "anders meine"  , was es gewissenstechnisch nicht leichter machte, ihn bloß zu zitieren, nicht zu kennen.
Andererseits hielt ich die Wahrscheinlichkeit für gering, dass er über das im Vergleich zu verwendeten Zitaten zwar richtige, aber zurückhaltendere "Russell-Einstein-Manifest" (1955. post mortem) hinaus signifikant mehr unterstützen kann, denn ich glaubte Lebensläufiges hinreichend zu kennen, befand ihn als Humanisten klasse, aber unterschätzte, wie sehr wissenschaftlich er sich eben auch mit der Friedensfrage beschäftigt hatte.
Ich kenne viele friedenspolitisch engagierte Wissenschaftler, aber keinen, der mit solcher Sinnesschärfe - und in beitragen kann, denn


- und andererseits wegen meiner völkerrechtlichen Schwerpunktsetzung nicht für wahrscheinlich hielt, dass sich ein wenngleich neben seinen naturwissenschaftlichen Leistung großer Pazifist und Humanist über die ausgewählten Zitate hinaus mir wirklich hilfreich sein könnte.


2018 über das Einstein-Russel-Manifest hinaus


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