#511

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 22.04.2022 15:31
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Dieter,, er wird nicht um Entschuldigung bitten.
So ist das mit dem Krieg. Der geht vielen sehr weit in die Köpfe - und eifert - ohne Denken.


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#512

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 22.04.2022 16:19
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

wer soll denn noch "Putin-Freund" sein? - Wir könnten doch wirklich mal aufhören mit Unterstellungen.


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#513

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 23.04.2022 04:27
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Hajo, wenn je ein Krieg wie Dominotheorie gewesen sein sollte, welche Beistandsgröße bräuchte es dann, um das Blatt zu wenden?

An Panzerschlachten, wie es sich Polenz und Hofreiter für die Ukraine vorstellen, ist ohne Luftunterstützung spätestens seit dem Koreakrieg nicht mehr zu denken.

Der Widerstand gegen eine überlegene Streitmacht kann immer nur partisanenhaft sein oder Städtekampf zwischen Ruinen, wie in Grosny, Aleppo, Mariupol.

Ein klassisch-militärisches Verteidigen setzt Kräfteverhältnisse von 1:3 voraus - unter Einrechnung des Heimvorteils - so unterrichten Militärakademien,
während solche Lehre aus Perspektive der Friedensforschung eher als geistige Wehrertüchtigung abzutun ist, denn
a) Unterlegenheit unterliegt gewöhnlich, kann allenfalls verzögern,
b) Quantität, Qualität, Überraschungsmomente sind sowohl eigene wie komplexe Faktoren,
c) im humanitären Hinblick auf das Kriegsgeschehen ist von hoher Relevanz, dass sich die Militärs beidseits wenig kümmert, wie die Häuser ausschauen.

a) & b) wissen auch die Militärs - und dennoch sind die Lehrbücher voll mit wohlfeilem Gerede - von den Römern über Clausewitz bis heute.

Aber nähmen wir die "1:3", so ließe sich auch für Georgien, Moldau durch bloße Waffenlieferungen schwerlich herstellen.

Eine Alternative wäre NATO-Eingreifen, was sie androhen würde, wenn sie drauf vorbereitet wäre - mit allen Eskalationsrisiken.

Also wenn wir die Aussichten spekulieren, dann müssen wir es schon so machen, wie es Militärs und Forschung tun, nicht bloß aus dem Bauch heraus die Wünsche & Ängste teilen, sondern Überlegungen zum Tun.

Kriege werden weder verhindert noch gewonnen, wenn wir uns was vormachen.

./.

So - und jetzt andersrum "aus Putins Sicht" - da können wir nur spekulieren, aber wahrscheinlich ist, dass er sich holt, was sich holen lässt, ohne ihm sein Herrschen zu erschweren.

Darum halte ich Domino-Szenarien, er werde sich die Schweden, Finnen, Polen greifen für geradezu absurd, wie ich allerdings auch nicht damit rechnete, dass er offenbar glaubte, nach Kiew einmarschieren zu können.

Auch Starke können sich überschätzen. Und trotzdem enorm viel gewinnen.

Aber dass militärische Siege nicht immer auch zu politischen Siegen werden, kapieren viele nicht, die Krieg zwar ablehnen, dennoch glauben, den "Krieg für Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln" halten zu können, denn solche "Politik" endet allzu oft im Desaster, wie es die Sowjetunion und die NATO z.B. in Afghanistan beschieden war.


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#514

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 23.04.2022 15:55
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Dein Spruch, dass Selenskij ein "mittelmäßiger Komiker" sei, halte ich für Fehleinschätzung, denn ich sah mir diverse Sachen von ihm an - und passte zum sonstigen Eindruck, dass er sich auf hohes Niveau versteht - und zugleich auf Klamauk.

Solcher Kombi ist mir mit Abstand das Gefälligste am Menschen.

Einzig Risiko ist die Verführung - in Wechselwirkung, dass es Publikum verführen kann & dass der Erfolg verführen kann - zum Guten wie im Schlechten.

Aber das passiert/e mit Niveaulosen weit öfter und schlimmer.


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#515

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 23.04.2022 15:55
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

@Detlef, Motiv-Spekulation macht Sinn, aber du bist vollends auf Abwegen, wenn du glaubst, es geht "nur darum", was jemand will, denn stattdessen kommt es drauf an, ob er darf, was er tut.

Und ein Land zu überfallen, ob aus Liebe oder Gier, ist nun mal aus einer ganzen Reihe bester Argumente verboten, es sei denn auf Basis von UNO-Beschlüssen.

Hmm, wie ich kriege ich das in deinen Kopf?

Wer ein Mädchen begehrt - und liebe sie mehr als alles andere auf der Welt - und sei es in Absicht, ihr die ganze Welt zu Füßen zu legen, so dürfte er sie trotzdem nicht vergewaltigen. - "Nur darum geht es."

"Krieg als Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln" ist seit 1928 (Briand-Kellogg-Pakt) verboten.


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#516

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 23.04.2022 19:47
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Es wäre schön, wenn Putin den Krieg verlöre, ohne der Welt seinen Undank knallen zu lassen, aber der Preis wird jeden Tag höher - und wer dann noch immer glaubt, die Abschreckung dürfe gegenseitig sein anstatt durch UNO-Gewaltmonopol, wird immer wieder wie Baerbock "aufwachen" und sich in einer "neuen Welt" glauben.


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#517

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 24.04.2022 00:46
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Ich hoffe sehr, dass Deutschland kleines Licht in der NATO bleibt, denn kaum noch plausibel, dass die vollmundigen Ukraine-Verteidiger keine Generalmobilmachung fordern, sondern "bloß" Schwere Waffen liefern wollen, obgleich militärisch nur nützlich, wenn mit Luftunterstützung.

Jede sachliche Frage zur militärischen Lage, jede Mahnung zur Besonnenheit wird entweder ignoriert oder verleumdet. Das macht der Krieg aus uns.


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#518

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 24.04.2022 01:08
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

das ist zu hoffen, aber viel zu sehen wüsste ich davon nicht - trotz intensiven Netz-Recherchen.
Stattdessen stehe ich noch immer unter dem Eindruck des riesigen russischen Konvois vor Kiew.
Wochenlang in der Kälte stehend, äußerst ungemütlich für die Besatzungen, aber weitgehend unbehelligt von ukrainischen Angriffen, obgleich immerhin vor der Hauptstadt.
Das Abrücken wurde gefeiert - ist doch klar, aber dass der Konvoi nicht zerstört wurde, sprach mir keine Geschichte von ukrainischer Armee, sondern eher von der Widerstandskraft der Kiewer Bevölkerung. - Das sind Unterschiede.


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#519

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 26.04.2022 13:44
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Moskau muss klar sein, dass jedwedes durch völkerrechtswidrigen Krieg bewirktes Abkommen nichtig, mindestens kündbar ist.


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#520

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 26.04.2022 21:11
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Würden wir fündig auf der Suche nach 'nem #Heiland, so wäre er in Kürze gekreuzigt.

Und #Gandhi wurde der Welt nicht prominent wegen widerwärtiger Riten und Kasten, sondern weil es ihm gelang, eine Kolonialmacht gewaltlos abzuschütteln.

Dass Leute glauben, es sei mit Putin ebenfalls möglich, ignoriert oder leugnet, dass Putin friedliche Proteste niedermacht,
aber selbst dann, wenn sich solche Ignoranten auf Gandhi berufen, ist es kein Grund, die Leistung Gandhis gering zu schätzen, allenfalls Grund, die Ignoranten zu schimpfen.


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#521

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 27.04.2022 00:24
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

dass Moskau das Gas abdreht,
muss "kalt lassen", aber stressiger wird es - s.u.

Moskau will Polen und Bulgarien das Gas abdrehen. Mal sehen, ob es so kommt.

Aber wer sich jetzt "empört", macht alles falsch und Putin recht. Obendrein stünden wir wie Deppen da, denn seit Wochen fordere wahrscheinlich nicht nur ich, dass wir drastische Energiesparmaßnahmen beschließen müssen, vor allem für unsere privaten Haushalte und den Verkehr, um die enorme Energielücke zu verkleinern.

50 Prozent (beim Erdgas) sollen es noch immer sein - und wir sind nicht allein auf der Suche nach anderen Lieferanten.
Wenn Habeck irgendwo betteln ging, dann kaufen wir es anderen weg - auch nicht nett. - Wir müssen Energie sparen. Drastisch.

Aber das wurde von regierenden und opponierenden Kreisen gleichermaßen ignoriert, die stattdessen einander mit Embargo-Forderungen übertrumpfen, als sei ihnen nicht klar, dass nicht nur wir die Pipelines stilllegen können, sondern auch Putin.

Selbstverständlich freut sich Putin über jeden Euro von uns, aber notfalls stellt er Russland brutal auf Kriegswirtschaft um, damit ihm sein System nicht kollabiert, während wir es schwerer haben werden Dank der parteipolitisch notorisch motivierten Rangelei.

Und wenn Putin Glück hat, dann liefern wir ihm noch mit "Gelbwesten" propagandistisch verwertbare TV-Inhalte, wie "schwach" westliche Demokratien seien.


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#522

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 27.04.2022 11:49
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Manfred .., fragen Sie doch netter, dann mag ich Ihnen auch lieber antworten. - Wenn ich "fabuliere", wie ich tatsächlich gerne tue, dann aber mit Ansage.

Ich finde das Interview nicht, war im ÖR, leider nur beiläufig inmitten der Abhängigkeitsfragen, denn mich hätte es sehr interessiert, zumal ich selbst jahrelang Bohrloch-Verpächter war - mit Ventiltechnik auf ca. 30 qm, aber womöglich nur für kurzfristigen Verschluss oder Drosselung tauglich.

Die Anlagen waren schon da - und weit weg in den USA, ansonsten hätte ich vielleicht mehr mitbekommen, was die Abläufe und Technik anbelangt.

Im Interview des MDR äußert sich ein Energiewirtschaftsprofessor leider auch nur knapp zur technischen Seite, dass überschüssiges Gas tatsächlich in die Atmosphäre geblasen würde.

>> Was passiert mit dem überschüssigen Gas?
Dominik Möst: Natürlich gibt es zuletzt die Option, die allerletzte Option, das Gas in die Atmosphäre entweichen zu lassen. <<

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschla...ebatte-100.html


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#523

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 27.04.2022 12:45
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Gute Kolumne, gleichwohl garantiert der Krieg keinen Sieg des Guten.

Drei Hauptsachen fehlen:

1. Dass wir es zuließen, dass uns die großen Menschheitsversprechen der UNO-Charta nicht eingelöst wurden, wie sie als Lehren aus zwei Weltkriegen und dem Scheitern des Völkerbundes zu ziehen waren.

Die #Lehre lautete >> Wir müssen die militärische Selbstjustiz abschaffen.

Das #Versprechen lautete >> Dazu muss das völkerrechtliche UNO-Gewaltmonopol zu einem faktischen Gewaltmonopol werden, also die Nationen abgerüstet, die Vereinten Nationen auch den stärksten Nationen überlegen.

2. Wir ließen uns mit der #atomaren_Abschreckung auf ein vollends irres Konzept ein, ließen uns Glauben machen, dass kein Skrupelloser an die Macht komme, obgleich der gesamte Kalte Krieg daraus war, einander äußerster Skrupellosigkeit verdächtig zu sein.

Wir ließen uns drauf ein, dass unseren Kindern nicht in den Schulbüchern steht, was uns 40 Jahre lang verschwiegen wurde >> dass Kennedy und Chruschtschow während ihrer "Kuba-Krise" einen totalen Kontrollverlust erlitten, als sich ein sowjetischer U-Bootkommandant nach Wasserbomben einer US-Fregatte im 3. Weltkrieg glaubte und das Abfeuern eines Atom-Torpedos befahl - und das Veto eines von zwei dazu erforderlichen Offizieren den Weltkrieg verhinderte.

Und das wurde nur öffentlich, weil man im Jahr 2002 glaubte, die Welt werde vernünftig.
Vorher geheim, denn die Menschheit sollte im Glauben sein, alles sei unter Kontrolle & "Atomwaffen sichern den Frieden".

Dass dem schon im Konzept nicht ist, erleben wir jetzt, denn wir geraten immer mehr ins #Feiglingsspiel, wie es die theoretische Basis dessen ist, was wir uns als "atomare Abschreckung" weiterhin verkaufen lassen - und auf Spekulation beruht, der böse Feind schrecke eher als die Guten vor der atomaren Eskalation zurück.

Wir ließen uns darauf ein, dass die meisten von uns und unsere Kinder nicht wissen, dass im Jahr 1970 mit #Atomwaffensperrvertrag Artikel 6 die Atommächte den Verzichtsstaaten und der Menschheit versprachen, "in naher Zukunft" die Atomwaffen komplett abzurüsten und es durch strenges Reglement zu verifizieren.

3. Alle Historie immer interessant, alle Motive ebenfalls interessant, aber irrelevant als Kriegsursache, denn "Gelegenheit macht Kriege" - so einfach ist das in Wahrheit - und alles andere, alle Geschichte, alle Motive dürften wir wirklich als "Narrative" abhaken.

Anders gesagt: Jemand glaubt, etwas durch Krieg gewinnen und behalten zu können.

Schon die Frage, ob er sich für berechtigt hält, ist spekulativ - und irrelevant, denn einzig die Vereinten Nationen haben darüber zu befinden, ob kriegerische Interessendurchsetzung statthaft ist. Und darüber hat die UNO geurteilt.

Der Rest ist #Feiglingsspiel - und damit dürfen auch wir es nicht übertreiben, denn niemandem steht es zu, die Menschheit über die Klinge der eigenen Streitigkeiten springen zu lassen.

Und das hat zur tragischen #Konsequenz, nicht allen Forderungen der Angegriffenen entsprechen zu dürfen.


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zuletzt bearbeitet 27.04.2022 12:54 | nach oben springen

#524

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 27.04.2022 15:27
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

dass wir nicht lahmen sollen, ist okay, aber von "Führung" mag ich überhaupt nichts hören, zumal ich kein Problem damit habe, mir von Washington, Paris, London und Brüssel sagen zu lassen, was wir an Waffen abgeben sollen


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#525

RE: Ukraine-Konflikt

in Friedensforschung.de 27.04.2022 17:41
von Markus Rabanus • 8.972 Beiträge

Da irrt der Herr Professor, denn Krieg ist "Wegfall der Geschäftsgrundlage", auch ohne dass wir völkerrechtliche Kriegspartei sind.
#Gazprom kann gerne klagen
a) gegen uns,
b) auch gegen die russische Regierung wegen deren Umstellung auf Rubel, denn ziemlich unwahrscheinlich, dass davon in den Verträgen steht,
c) auch gegen Putin wegen des Krieges überhaupt, denn der Krieg schadet den Geschäftsbeziehungen.
Wahrscheinlich sorgt sich der Herr Professor ähnlich wie ich um die Folgen der Energielücke - mehr als Herr Polenz und die vielen von Zorn Blindwütigen.


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