#1

Trümmerfrauen

in Antifaschismus.de 25.04.2017 16:19
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Kaum etwas in der Nachkriegsgeschichte ist derart von Mythen umrankt wie die "Trümmerfrauen".

So auch jetzt mittels Posting einer Facebook-Freundin, die ich mit meinem Einspruch vermutlich nicht glücklich mache:

Hmm, die Frauen, die den Schutt unserer zerbombten Häuser in Dortmund und Kiel mit Händen und Eimern abräumen mussten, weil es zwar nicht an zerstörten Panzern, aber an Räumfahrzeugen fehlte, wären zu gerne davon gerannt. - Und hier in Berlin war es nicht anders.
Ich fragte viele, viele alte Frauen, wie es um die Freiwilligkeit und Versorgung stand, denn es gab seitens der Siegermächte nicht bloß Appelle, sondern rigorose Wiederaufbau-Anweisungen.

Interesse am Thema? www.dialoglexikon.de/truemmerfrauen.htm


zuletzt bearbeitet 26.04.2017 02:23 | nach oben springen

#2

RE: Trümmerfrauen

in Antifaschismus.de 25.04.2017 16:41
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

@Birgit, auch in den Köpfen und sogar bis heute, dass sich viele Frauen ein Prinzesschen-Dasein erhoffen.

Ich stelle oft genaue Fragen, wie etwas war oder ist, wobei es mir im direkten Umgang mit Menschen leichter fällt als es im Bericht darüber oft Verdruss schafft.
Und die Eigenständigkeit Trümmerfrauen damals war eben keine, sondern allenfalls Leid des wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Gesellschaft, dass Frauen, Männer, Kinder wie wilde Tiere den Hunger zu stillen hatten, was viele nicht schafften, wenn sie krank oder alt waren. Und viele im Stich gelassen von "Trümmerfrauen" und den rückkehrenden "Helden". Mal danach die eigenen Eltern, Großeltern gefragt? Wie es Menschen ohne Familie und Hilfe erging?

Keine "Eigenständigkeit", die auch nur irgendwie zu überhöhen wäre, sondern humanitäre Katastrophe.
Und vor der Kapitulation? Dass Frauen in die Rüstungsindustrie geholt wurden? Das war schon während des 1. Weltkriegs so.

Die bittere Wahrheit also: Frauen als "Reserve". Nichts davon sollte man/frau HEUTE romantisieren, Denn das kann es nicht sein, was Frauen sich wünschen können, jedenfalls aus meiner Männekenperspektive, weshalb durchaus sein kann, dass sich Frauen mitunter auch anderes wünschen. LG


zuletzt bearbeitet 25.04.2017 16:42 | nach oben springen

#3

RE: Trümmerfrauen

in Antifaschismus.de 25.04.2017 16:43
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Und ich weiß noch, wie unwohl mir war, meine Eltern zu fragen, weil es ja auch schmerzt, über solche Sachen zu sprechen, dass sich jeder selbst der Nächste sein musste.


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#4

RE: Trümmerfrauen

in Antifaschismus.de 30.12.2019 01:56
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Lieber Matthias, es taugt überhaupt nicht als "Beispielbild", weil von A bis Z erlogen, denn die zerstörten Mietshäuser in Kiel und Dortmund MEINER Familie, wenn Wiederaufbau erlaubt wurde, dann waren nur wenige Stunden "Trümmerfrauen" beteiligt, die durch Besatzungsmächte verpflichtet und mit Lebensmitteln verpflegt wurden.

Alles Große wurde mit Technik gemacht und der Aufbau durch freigelassene Handwerker und kräftige Hilfsarbeiter.

Und schlimmer, denn die meisten "Trümmerfrauen-Fotos" wurden ohnehin nicht nach dem Kriege, sondern nach Bombenangriffen gemacht, während in Wahrheit massenhaft Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, die hungerten, wenn man ihnen nichts zuwarf, was geduldet wurde, wenn man Glück hatte.

Die "Trümmerfrauen" sind eine widerlichsten Legenden, die man uns in den Schulen bis in die frühen Siebziger hinein lehrte. Und wenn ich mit dem Realen unserer Besitzungen widersprach, dann gab es noch Lehrer, die mich einen "Vaterlandsverräter" schimpften und die Ecke stellten.

Es muss Schluss mit den Legenden sein. Und du musst überall widersprechen, wo sie die begegnen. Es gibt keine Ehre ohne Ehrlichkeit.


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#5

RE: Trümmerfrauen

in Antifaschismus.de 30.12.2019 02:44
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Hey, nicht aufgepasst?
Wenn es um EinZweiFam-Häuser ging, dann hat es freiwillige Nachbarschaftshilfe gegeben, aber beim Schuttbeseitigen und Wiederaufbau in den Städten war nichts freiwillig. - Und vor Kriegsende war es SKLAVENARBEIT vor allem polnischer und russischer Kriegsgefangener.

Dass "Frauen mit anpackten", stelle ich gar nicht in Abrede, denn die Männer an der Front, dann war die "arische Frau" in den Waffenfabriken "verlässlicher" als die Zwangsarbeiter, wie auch in den KZ's "Frauen kräftig mit anpackten".

Das war Deutschland. Und viele hatten zu büßen dafür, dass zu viele den Nazis nachgerannt waren. - Ja, das war Deutschland.

Und Wiederaufbau? Das musste man auch in Warschau, Rotterdam, London, Kiew, Wolgograd und überall, wohin Deutsche glaubten, ungestraft hinballern zu dürfen.

Die dürfen sich "feiern", denn sie haben keinen Hitler gewählt und den Krieg nicht begonnen.

Tröstliches:
Jeder darf seine Oma lieben und ehren. Selbst dann, wenn sie Mörderin wäre. Das ist Menschenrecht. - Aber keine Legendenbildung.


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zuletzt bearbeitet 30.12.2019 02:46 | nach oben springen

#6

RE: Trümmerfrauen

in Antifaschismus.de 31.12.2019 06:37
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Da können wir genauer sein:
"Eigene Hände" waren es erst nach 45 und zwar auf Anordnung und mit Hilfe der Siegermächte.

Während des Krieges drehte die Wochenschau Progandafilmchen mit fröhlich aufräumenden Hitlerjungen, aber in Wahrheit erfreute sich die selbsternannte Herrenrasse, massenhaft Zwangsarbeiter im Schuttbeseitigen und Aufbau verschleißen zu können.


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#7

RE: Trümmerfrauen

in Antifaschismus.de 31.12.2019 16:50
von Markus Rabanus • 4.434 Beiträge

Vor Kriegsende wurden massenweise Zwangsarbeiter für Aufräumarbeiten und Wiederaufbau geschunden.

Nach dem Krieg wurden die Arbeiten von den Siegermächten angeordnet und unterstützt, mit Lebensmittelmarken bezahlt.

So jedenfalls mit den Mietshausruinen meiner Familie im zerstörten Kiel und Dortmund.

Bei EinZweiFamHäusern mag es anders gewesen sein und Nachbarschaftshilfe, aber die Fotos mit fröhlich anpackenden "Trümmerfrauen" waren Propaganda und wirken bis heute.


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