#16

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 15.10.2021 02:28
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

@Georg, wenn du wie Polenz und Baerbock meinst, dass Peking das Russen-Gas zum halben Preis bekommen soll, dann brauchst du nur zu fordern, dass die EU kein Russen-Gas mehr kauft, denn die Nachfrage regelt den Preis. Da kann der Putin gar nichts machen. - Immer wacker sein, es sei denn, es fielen dir Gegenargumente ein, die für Merkels Entscheidungen sprechen. Oder ist das zu hohe Hürde?


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#17

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 15.10.2021 03:09
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Georg, die Abhängigkeit ist gegenseitig und darauf lässt sich sehr wohl "vertrauen" - und auch der Rest deines Posts ist Unfug, denn wir zahlen für Putins Gas nicht mehr als für Gas aus anderen Ländern.

Und das mit den Speichern habe ich oben in meinem Post erklärt, dass eben spekulationsbedingt nicht genügend geordert wurde und jetzt wiederum spekulationsbedingt die Preise überreagieren.

Ich habe nüscht gegen Feindbilder - und Putin bricht reichlich Völkerrecht, womit sich auch Sanktionen begründen lassen, aber wenn du dein Denken von deinen Feindbildern dominieren lässt - ob hier gegen die Union oder mit Unionlern gegen Putin, dann machst du Fehler.


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#18

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 15.10.2021 17:03
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Georg, ernsthafte #Friedensforschung ist völkerrechtsbasiert und unterscheidet sich erheblich von dem, was du dir an Lichterketten und Forderungen unter #Friedensbewegung vorstellen darfst und darin auch gar nicht falsch liegst, wohl aber im Hinblick auf Friedensforschung.

Ich erkläre es vorsichtshalber:

Der Unterschied zwischen Friedensbewegung und Friedensforschung ist oft wie zwischen Moral und Recht, zwar wünschenswert mit großer Schnittmenge und möglichst nicht im Widerspruch zu einander,

ABER mit der Folge, dass politische & wirtschaftliche #Interessen nicht bloß geprüft werden, ob sie gefallen, sondern ob sie "berechtigt" sind. Und dann auch noch auf "berechtigte Weise durchsetzbar".

Das sind dicker Bretter - und wer sie bloß vor dem Kopf hat, der wird sich dran stoßen, aber sie nicht durchbohren. - Das wäre dann die falsche #Realpolitik.

Also:
Nach heutigem Völkerrecht gehören Rohstoffvorkommen, die sich im Hoheitsgebiet von Nationalstaaten finden, nicht der Menschheit, sondern Nationalstaaten - auf Kosten der Menschheit inflationiert durch nationalistische Konstrukte wie "Kontinentalsockel", woran sich nicht nur Russland, sondern auch Norwegen, GB, Kanada, USA und viele andere Staaten auch anderer Erdregionen erfreuen und der Menschheit die Weltmeere enteignen.

Wir können es wünschen, aber wir haben kein Recht darauf, Russland auf Gaslieferungen an andere Staaten als verpflichtet anzusehen, wenn wir keine diesbezüglichen Verträge schließen.

Daran wird gearbeitet, eher zu wenig, denn Putin und wir haben nicht nur sehr unterschiedliche, sondern auch gegensätzliche Interessen.

Desgleichen mit Pipelines, denn wir haben zwar Interesse, aber ohne diesbezügliche Verträge kein Recht, Russland auf etwaige Wegelagerei bspw. der Ukraine oder Polens zu verpflichten.

Wenn Russland und Ukraine verzankt sind, dann dürfen sie einer sanktionieren, wie auch wir es mit Russland tun. Und wie es Russland mit uns tun darf.

Wenn wir die Ukraine versorgt und mit Pipeline-Gebühren ohne diesbezügliche Verträge begünstigt sehen wollen, dann müssen wir es selbst tun, auch mit Gas aus N1&2, sofern der böse Putin wenigstens die Verträge einhält und wir dann zugunsten der Ukraine unseren Verbrauch einschränken.

Mein #Vertrauen in Putin begrenzt sich auf den Rahmen seiner wachsenden Möglichkeiten, seine Staatfinanzen durch das China-Geschäft unabhängiger von der EU zu machen, während du nur unsere Abhängigkeit von Russland betonst, doch sicherlich weißt, dass es keine Einbahnstraße ist und weitere Straßen in Fernost im Bau sind.

Kurzum: N1&2 machen Putin unabhängiger von der Ukraine und anderen Transitstaaten, nicht jedoch unabhängiger vom EU-Geschäft.

Unseren Verbrauch einschränken - sollten wir ohnehin tun, aber das ist ein anderes Thema, wenngleich mit Schnittmengen und anderen völkerrechtlichen Aspekten, z.B. Klimaabkommen.

Lasse es dir gelten, auch wenn es nicht gefällt, denn es geht um Recht - und je weniger wir uns davon gelten lassen, desto mehr Chaos.


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#19

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 28.12.2021 17:48
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Christian Saßenscheidt, okay - Beispiele für die nachgefragten "Notwendigkeiten", denn es entstand viel Not durch Nichtberücksichtigung russischer Interessen, womit NICHT gesagt ist, dass die russischen Interessen berechtigt seien.

Also pragmatisch aus jüngerer Zeit:
- Moskaus Veto in Sachen Irakkrieg,
- ganz sicher auch Libyen, wenngleich sich Russland aus Gründen der Peinlichkeit bedeckt hielt, dem Waffenkunden und Diktator die Stange zu halten,
- die angeblich bloß gegen Teheran gerichtete Raketenabwehr ohne mit Moskau gemeinsames Kommando,
- dann Syrien, denn Moskau wollte bestimmt nicht den letzten Kunden und Militärstützpunkt am Mittelmeer verlieren.
Sondervermittler Kofi Annan warf das Handtuch - hätte ich auch gemacht, denn wo kein Wille zu Kompromissen, da tut es sich mit dem Frieden zu schwer.

Ganz sicher gab es immer auch edelste Motive - beim Abwurf von Motherbombs und Foltern mit Rumsfelds Erlaubnis, aber der ganze "Krieg gegen den Terror" bewirkte an Terror nur mehr, reichlich Ruinen und Flüchtlingselend.

Ich war mit so vielen Argumenten dagegen und wäre froh, wenn ich geirrt hätte.


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#20

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 29.12.2021 16:17
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Das Gedenken an die Verbrechen der nationalen Geschichte lässt sich nicht "liquidieren", so sehr sich die Nationalisten aller Länder darin mühen, jeglich' kritisches Gedenken als Nestbeschmutzung, unpatriotisch & Vaterlandsverrat zu verleumden und zu verfolgen, soweit es die Kräfte hergeben.

So erlebt auch im eigenen Land der vormals 17 Mio. NSDAP-Wähler, von denen sich vieles in den Köpfen vererbte.

In der VR-China mit 1,4 Mrd. Menschheitsanteil nicht anders, wenn es um Mao geht, nicht anders mit vielen meiner türkischen und kurdischen Freunde, wenn es um den Genozid an den Armeniern geht.

Doch so viele Menschenleben und Kulturgüter Tyrannen und Nationalisten "liquidieren", können sie es nicht mit der Geschichte, denn zu vieles bleibt an Gedächtnis, Knochen und Ruinen.

Damit hat auch ein Putin zu rechnen, der seinem Russland schmeicheln will - mit Geschichtsbetrug.


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#21

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 29.12.2021 17:29
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Auch ich meide das Kürzel und verwende stattdessen allgemeiner "Ostseepipelines", zumal mir kein Grund ersichtlich ist, zwischen der einen und der anderen zu unterscheiden.

Wer sich aber damit rühmt, "damals genauso gegen NS 1" gewesen zu sein oder womöglich in Gänze gegen Handel mit der Sowjetunion und dem heutigen Russland, hätte an Druckmitteln nichts in der Hand.

"Wandel durch Handel" ist immer, aber nie Garantie für das Gute, es sei denn gekoppelt, ansonsten ist der Handel wie ein Rüstungsauftrag aus der Waffenlobby keinen Jesus macht.

"Dialog sinnlos" ist immer, wenn jemand nicht weiß, was ankommt. Insofern kaum tragisch, wenn so viele den Dialog beenden, die ihn ohnehin nicht führen oder sich darin nicht üben wollen.

Aber vom Polenz als Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (!) wünsche ich mehr Phantasie für überzeugenden und friedensstiftenden Dialog - auch mit bösesten Widersachern, die unsere Welt seit jeher zwar nicht gebiert, aber zu Wege bringt, sobald das Böse zum Geschäftsmodell taugt.


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zuletzt bearbeitet 29.12.2021 17:38 | nach oben springen

#22

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 15.01.2022 07:05
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Andreas P., ein Teil meiner Familie stammt von dort - und ich besuchte in den frühen Achtzigern Riga und die KZ-Gedenkstätte von Salaspils mit studentenpolitischer Delegation - diskutierte ganz offen das Verhältnis von Russen und Letten, befand es für schlechter als sie sich mir zeigen wollten, was sich später dann auch nicht nur dort leider blutig bestätigte.

Wenn ich Gorbatschow glaube, dann war ihm das gar nicht recht - und er pfiff die Angreifer zurück.
Auch das wird ihm von nationalistischen und stalinistischen Kritikern vorgeworfen.

Gorbatschows Aufbruchstimmung, die mit April 1985 einsetzte, erlebte ich in den Ländern des Ostblocks hautnah mit den tiefer werdenden Rissen eines in Demokratie ungeübten Systems, den politisch und wirtschaftlich Mafiösen unter die Räder geratend.

Es lässt sich ein Stück weit mit dem "Arabischen Frühling" vergleichen, der auch nicht die Hoffnungen erfüllte, aber im Unterschied dazu stand mit dem Untergang der Sowjetunion viel mehr an Weltmachtanteil auf dem Spiel >> mit sich feiernden Siegern und jammernden Verlierern, die fortan zu allem "Ja" sagen sollten.


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zuletzt bearbeitet 15.01.2022 07:05 | nach oben springen

#23

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 16.01.2022 18:50
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Thomas, dass es die Demokraten hochspielen, liegt in der "Natur" von Parteispielchen, aber die Stimmungsmache gegen Clinton war von Moskau massiv unterstützt, wie Moskau auch hierzulande an jedem Schwurbel mitkurbelt.

Ich komme in meinen Statements ohne Putin-Medien aus, weshalb mein diesbezüglicher Schimpf ein bisschen in der Luft steht, aber alle paar Wochen schaue ich mir sowat an und sehe den Schwurbel zwecks Subversion.

Und ob sich Assange/Wikileaks vom russischen Geheimdienst mit den Clinton-Mails beliefern ließ, was m.E. zum Zünglein an der Waage wurde, wüsste ich gerne.

(aber bitte nicht falsch interpretieren, denn ich bin dafür, den Assange zu amnestieren = anderes Thema)


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#24

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 16.01.2022 19:02
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Es gibt sicherlich Kasachen, denen das Unterdrücken jeglicher Opposition und Pressefreiheit gefällt, aber es dürften genügend Kasachen sein, die auch ohne den bösen Westen ein anderes System wünschen.
Im Übrigen kam nach meinem Eindruck der Westen mit diesem Kasachstan eher zu gut aus.
Dass nun wegen gestiegener Spritpreise die Proteste aufflammten, ist zwar auch mir nicht sonderlich demokratieverdächtig, aber wahrscheinlich wären dem Putin die "Gelbwesten" in Paris lieber.


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#25

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 20.01.2022 14:30
von Markus Rabanus • 7.913 Beiträge

Im Zeitalter von Atomwaffen, die uns binnen 25 Minuten auf jedem Fleck der Erde den Garaus machen können, ist alle Menschheit "umzingelt" - und die obige Karte Augenwischerei, denn 1. tragen Sie mal bitte die Auslandsstützpunkte Russlands und der NAtO-Mitglieder ein.

Und 2. die Staaten und Stützpunkte, die seit dem UdSSR-Zerfall die Seiten wechselten, denn daraus - wie ja auch Polenz oft genug sagt - sind Moskaus Rückeroberungswünsche - und die ich ebenfalls ablehne.

Obendrein meine Kritik an der Karte nicht missverstehen, dass mir ein "Gleichgewicht" wünschenswert wäre,

DENN sobald mehr als zwei Rivalen, isses schon immer mit jedem "militärischen Gleichgewicht" vorbei - und alles purer Unfug, was die Zeiten des Kalten Krieges überdauernd bis heute in vielen Köpfen und Hauptstädten spukt und bloß das Wettrüsten forciert.

Wer aus dem Teufelskreis will, begibt sich nicht immer tiefer hinein, sondern stärkt die Vereinten Nationen und internationale Gerichtsbarkeit, der sich ja nicht nur Russland entzieht.


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