#1

Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 29.06.2017 12:40
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Sehr gut. https://www.facebook.com/ruprecht.polenz...EWSFEED&fref=nf

Aber sie müssen sich 5. auch darüber unterhalten, wie sie mit ihren geostrategischen Rivalitäten umzugehen gedenken, denn die sind es, an denen Gemeinsamkeit scheitert.

Also bspw., wie Russland kompensiert werden könnte, falls Putin mit Assad einen Verbündeten, Absatzmarkt und letzten Militärstützpunkt am Mittelmeer verliert,
denn das ist das unausgesprochene (weil zweifelhafte) Interesse Russlands unter dem Vorwand "humanitären" Beistands,
wie auch wir uns zu fragen haben, ob unsere Assad-Bekämpfung geostrategische Motive erlaubt, denn Syrien war uns nur außenpolitisch von Relevanz, während innenpolitisch zumindest für Frauen menschenrechtlicher als bspw. das mit dem größten Waffengeschäft der Menschheitsgeschichte bediente Saudi-Arabien - oder der heutige Irak, das heutige Libyen nach jeweiligen "Befreiungen" von Diktatur. Und jeweils zum Nachteil russischer Einflussbereiche.

Wie wichtig sind uns Frauenrechte in der geopolitischen Rivalität?
Und bringt uns diese Rivalität gegenüber Russland eigentlich wirklich "vorwärts"?
Ist das sich ausweitende Chaos tatsächlich besser als eine ungerechte Ordnung zwischen Ost und West?
Meines Erachtens ist die Befriedung und Demokratisierung der Welt auf dem Wege der geostrategischen Militär-Rivalität unmöglich.

Und Szenarien, wonach Putins Russland unter dem westlichen Sanktions- und Wettrüstensdruck kollabiert, erscheinen mir viel zu riskant, um erstrebenswert sein zu können.

Wir müssen ohnehin über unseren Weg nachdenken, denn auch mit China erwächst uns kein "Partner", wenn wir nicht gemeinsam von Bi- und Multilateralismus zu mehr Weltrepublikanisierung umschwenken. Darum ist mir die UNO so wichtig, der sich die Staaten föderal unterzuordnen haben, vor allem militärisch.


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#2

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 11.05.2018 04:14
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Lieber Herr Polenz, "Das Festhalten an der imperialen Größe" Russland vorzuwerfen, ist ein bisserl delikat, wenn der eigene Chef-Alliierte "Make America Great Again" propagiert.

Vielen war Russland schon immer zu groß. Und es ist nahezu ein weltanschauliches Wunder, dass die USA bislang nur anderenorts "vitale Interessen" geltend machten. Woher die Bescheidenheit? Und wie lange noch?

Irgendwann muss Einsicht erklärte Politik werden, dass "Supermacht" einzig und allein die Vereinten Nationen zu sein haben. Und dass man es in aller Klarheit allen sagt, die anderes sagen.


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#3

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 11.05.2018 04:37
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Argumentieren Sie bitte, bitte weltbürgerlich. Die Friedenssicherung kann nicht gelingen, wenn sich jeder sein eigenes Völkerrecht nach Maßgabe militärischer Möglichkeiten macht, sondern nur wenn sich auch die Stärksten dem Mehrheitswillen der Vereinten Nationen fügen und ihre Streitigkeiten vom IGH entscheiden lassen.
Auch miese Urteile sind besser als Krieg. Und auch besser als das Wettrüsten, denn die Welt hat anderen Bedarf als unsere Kompromisslosigkeit.


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#4

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 25.07.2018 01:33
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Lieber Wolfram, "lebensfremd" will ich nun wirklich nicht sein  , wobei "lebensfremder" als die gegenwärtigen Militärstrategien geht es kaum. wie wir an vielem durchgehen könnten, während Militärs dazu verdonnert sind, sich den eigenen Möglichkeiten zumindest auf der Bekennerebene anzuvertrauen, sonst würden/müssten sie fahnenflüchten.

Aber immerhin gelingt ihnen ja manches Schnippchen. Und mitunter ganze Staaten in Schutt und Asche zu legen.

Mit dem "Umzingeln" Russlands ist es schon wegen der geografischen Größe etwas schräg, denn "umzingelt" könnte sich auch Trumps Amerika wähnen, denn im Zeitalter von Interkontinentalraketen sogar vollends absurd, ob da etwas aus dem Meere in 10 Minuten anrauscht oder von Land stationiert aus Havanna oder Stockholm, macht weder für Moskau noch für Washington einen Unterschied = keine "Vorwarnzeit", kein Umzug in die Bunker, es sei denn zu Zwecken des Erstschlags.

Und solche Sorge teilte ich mit der Friedensbewegung der frühen Achtziger, als ich auf den hölzernen Rolltreppen in die Moskauer Metro einfuhr, dass jemand im Weißen Haus an die Chance einer "Enthauptungsstrategie" glauben könne - und ich wäre im Fadenkreuz des Auftakts zum KnockOut der Menschheit.

Auch heute sorge ich mich, denn die Unberechenbarkeit, auf die sich Trump und Putin auf je ihre Weise etwas einbilden, kann in Versuche umschlagen. Inakzeptable Versuche, unkalkulierbare Versuche, aber allemal für alle ohne HappyEnd.

Ganz abgesehen davon, dass die einzige Verlässlichkeit von "Frühwarnsystemen" darin besteht, Fehlalarme und versehentlich den Atomkrieg auszulösen, denn es gibt halt gegen Raketen keine "Vorwarnzeit" - und ich glaube es bislang den Trump und Putin, wenn sie behaupten, ihre Feuerbefehle führen ins Ziel. Das sind wir.

Anderenteils stimme ich dir zu, denn soweit es konventionelle Kräfte anbetrifft. kommt es sehr wohl darauf an, die Pufferzonen zwischen Feinden möglichst groß zu halten, aber die Pufferzonen sind kein Niemandsland, sondern haben Geschichte - und die lässt sich nicht auf die Befreiung durch die Rote Armee vom Faschismus reduzieren, denn weder das Reich der Zaren noch die Sowjetunion kamen stets als Befreier.

Und ich stimme militärgeografischen Argumenten zu, was konventionelle Übergriffe anbelangt, aber da hat Putin mit der Krim seinen Sündenfall, die Nähe genutzt zu haben, wie es auch Österreich nicht gestattet wäre, in Bayern eine Volksabstimmung zum Anschluss durchzuführen, wenngleich es dort sicherlich ebenfalls manche Zustimmung geben mag. Aber es wäre halt völkerrechtswidrig - unter Bedingungen von "Wahlbeobachtern", die ohne Hoheitsabzeichen und Einladung eine fremde Hauptstadt vertreten.

Schweden, Finnland sind mir der Überfallsneigung gegenüber Russland wenig verdächtig, wie auch in Umkehrrichtung nicht davon auszugehen ist, dass Putin in Stockholm einmarschieren möchte, aber leider traue ich igm gegenüber Estland, Litauen und Lettland Neigungen zu, dem Phantomschmerz von Gebietsverlusten Abhilfe zu schaffen, denn die RT-Propaganda für die dortigen Russen ist permanent aufhetzender Kreml-Nationalismus, wie auch in Georgien, wie auch in der Ukraine, während die NAtO-Mitgliedschaft den baltischen Staaten zumindest subjektiv Versicherung darstellt.

Wer es nicht glaubt, möge hinreisen - und sich mit Hinz und Kunz unterhalten. Im Vertrauen auf Putins Verlässlichkeit nichts auf die Ängste der Balten zu geben, genügt nicht, denn vom subjektiven Faktor dieser Völkchen hängt eben auch ab, wem sie sich angeschlossen sehen möchten - und das kommt der NAtO und westlichen Rüstungsindustrie ganz recht, wird gefördert usw., wiederum schlecht für bessere Beziehungen zu Moskau.

Putins Medien hetzen die Russen in anderen Ländern auf, stets im Gewand des Antifaschismus, denn tatsächlich hat die Hetze Gegenseitigkeit, aber doch mit dem qualitativen Unterschied, dass von den vormaligen Sowjetrepubliken keine auf die Idee kommen würde, Russland anzugreifen.
Ich nehme die Sorgen vieler Russen ernst, denn im Wege weiterer Zuspitzung drohen ihnen in den ehemaligen Sowjetrepubliken immerhin ethnische Säuberungen, was an Widerlichkeit schlimme Bandbreite hat, wie auch der Bürgerkrieg und ein zwischenstaatlicher Krieg - je nach Verlauf.

Ich beobachte es seit Jahrzehnten - und es entsetzt mich zutiefst, wenngleich ich bei einer Delegationsfahrt in den frühen Achtzigern in Riga schon ziemlich misstrauisch wurde, als ich sah, wie sehr "russifiziert" mir die Stadt Herders schien und fragte, wie gut das Auskommen von Letten und Russen sei. Die Offiziellen antworteten mir: "Wir lieben uns!"

Okay, so hätte es mir gefallen, aber wenige Jahre später fielen die Schüsse.

Also wenn Militärisches "lebensnah" ist ;-); dann habe ich auch dazu Meinung und hatte mit Militärs oft zu tun, denn ich habe wenig Scheu zu Kontakten bei aller Abscheu, was den kleinen und großen Militarismus anbelangt.

Und es kommt Militärwirtschaftliches hinzu, denn die russische Rüstungsindustrie verlor durch die NAtO-Osterweiterung, Irak, und Libyen ganz erheblich an Kundschaft, wodurch sich die Kosten für das neue Wettrüsten erhöhen, denn "Bündnispartner" sind die bravsten Kunden. Es bleibt an Kundschaft praktisch nur, wer entweder erklärter US-Feind ist und wer sonst noch in der Welt auf unabhängigere Mitsprache mittels militärischer Protzerei Wert legt. Aber die kaufen mal dort, mal dort oder entwickeln im eigenen Land.

Was die UNO-Reformen anbelangt, die von vielen Menschen in weiter Ferne verortet werden, weil im Glauben, dass die heutige Politik stabile Zukunft habe, mag auch ich kein Prophet sein, aber Umbrüche sind jederzeit möglich, wenn ihnen kein KnockOut zuvor kommt.

Allerdings würde es lohnen, dafür stärker zu werben, während die ständige Verteidigung des vermeintlich Kleineren Übels zwar Routine bleiben darf, aber ohne Darlegung von Ausweg bloß Hamsterrad bleibt.

Und der Auswege sind viele,
- wie die Blockade im Weltsicherheitsrat ein Ende fände, indem beim Veto der IGH entscheiden solle und/oder die Generalversammlung,
- dass die Alternative zu rivalisierenden Militärs das Streitkräftemonopol der Vereinten Nationen zu lauten habe.

Und es setzt Bewusstsein voraus,
- dass niemals ein einziges Land oder mit Trittbrettfahrern legitime Supermacht für unsere Menschheit sein kann,
- dass auch Putins Vorstellungen von einer "multipolaren Welt" totaler Unfug ist, weil es die militärische Rivalität nicht beseitigt und allen anderen Staaten Zumutung bliebe,
- dass einzig und allein die Vereinten Nationen legitime Supermacht sein können und die Höhe der Legitimität davon abhängig, wie demokratisch und gewaltenteilig sie organisiert sind.

Es sind keine zu verrückten Ideen, sondern in jedem halbwegs funktionierenden Staaten Bewährtes, was es auf die globale Ebene zu bringen gilt.

Wenn wir immerzu sagen "unmöglich", dann machen wir es gerade denen recht, die es hindern wollen.


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#5

RE: Ost-West-Rivalität und Zukunft

in Friedensforschung.de 19.08.2018 02:55
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Auch mir war es eine "Krim-Annexion", also völkerrechtswidrig,
aber alle Geschichte hat Vorgeschichte - und wenn etwas die "Sicherheitsarchitektur Europas in Frage stellte",

- dann war es zumindest aus russischer Perspektive zunächst die NAtO-Osterweiterung, sodann die Weigerung, Moskau an Raketenabwehrsystemen zu beteiligen, denn das Argument, die Abwehr sei gegen den Iran gerichtet, war kein logisches Gegenargument zur russischen Beteiligungsforderung.

- Und aus meiner Perspektive noch schlimmer, denn unter "Sicherheitsarchitektur" verstehe ich bekanntlich anderes:

Dann hätten wir auf ein neues Europa und eine neue NAtO hinzuarbeiten gehabt mit gemeinsamen Gewaltmonopol.
Zum Arc de Triomphe, über den Roten Platz und über die Pennsylvania Avenue dürften sodann nur noch multinationale NAtO-Truppen paradieren, die unter dem gemeinsamen NAtO-Oberbefehl stehen.

Das jedoch war nie Bestreben unserer Politik. Wir blieben in alter Politik, weiteten unsere Allianz aus, nahmen Moskau die gewiss miesen Verbündeten Saddam Hussein und Gaddafi, veränderten also die "Weltsicherheitsarchitektur", um Russland den gleichberechtigten Weltsicherheitsratsstatus auf dem Feld praktischer Politik streitig zu machen.

Jetzt haben wir viele Scherbenhaufen, die nur noch die Rüstungsindustrie glücklich machen kann. - Bei uns wie auch in Russland.

Nein, wir sind nicht die Bösen - und die anderen wären die Guten, aber weil wir die Guten sein wollen, stehen wir auch in der Pflicht, die besseren Initiativen zu entwickeln.

Wenn wir dümpeln, wenn wir vermeintlich "pragmatisch" sein wollen, aber ohne neue Strategie für neue Ziele, dann werden wir den Menschen keine Hoffnung sein - und sie an andere Kräfte verlieren, die aus Ängsten Nationalismus und Hass machen, wie jüngst an den Aufmärschen von AfD und Pegida gegen Merkels Besuch in Dresden zu sehen.


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