#16

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 08.08.2018 17:28
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

UNFERTIG UNFERTIG UNFERTIG UNFERTIG UNFERTIG

@Richard, dass eine demokratische Weltföderatin die beste Voraussetzung für die Bewältigung globaler Probleme darstellt, haben viele noch nicht begriffen und sind in nationalen und multilateralen statt omnilateralen Hoffnungen befangen.
Wir sind mit unserem politischen Bewusstsein gar so fern von kosmopolitischen Einsichten, dass "Omnilateralität" sprachlich fast gänzlich unbekannt ist.

In puncto Möglichkeit vollständiger Atomwaffenabschaffung bin ich auch mit anderen Engagierten verquer, denn ich gehe mit obiger Begründung von der Machbarkeit aus.

Die Machbarkeit setzt keine Diktatur voraus, denn eine Atomwaffe zu produzieren und vorzuhalten, ist glücklicherweise keine technische Kleinigkeit, sondern setzt sehr großen Aufwand voraus, so dass sich völkerrechtlich gewährleisten ließe, solchen Aufwand zu entdecken und zu stoppen.

Rechtliche Voraussetzung dafür ist, dass die Gefährdung der Menschheit durch Atomwaffen so sehr ernst genommen wird, dass alle Staaten in Verbotskontrollen einwilligen und auch den Verrat von Verstößen nicht mehr bestrafen dürfen.

Viele sehen darin eine Beschränkung der "nationalen Souveränität" und fürchten gar eine "Weltdiktatur".

Ich sehe es grundlegend anders, denn mir setzt jegliche Souveränität setzt Rücksichtnahmen voraus - und kann mich unter anderem ausgerechnet darauf berufen, wie es seit jeher der "gegenseitig einseitigen" Perspektive verfeindeter Staaten entspricht, die sich auf folgende Formel bringen lässt:

"Die nationale Souveränität anderer Staaten - ob völkerrechtlich kodifiziert oder nicht - kann kein Freibrief für die Gefährdung meines Staates sein."

Solche Sichtweise hat Grundlage in Art.2 Nr.4 Charta der Vereinten Nationen, also im höchsten Völkerrecht - und verbietet allen Staaten mit Art.2 Nr.4 nicht nur die Gewaltanwendung, sondern auch die Bedrohung.

Das gilt es umzusetzen. Mit weitreichenden Konsequenzen für jederlei Militär und Rüstung.

Um es kurz zu fassen: Die UNO-Charta verpflichtet alle Staaten sogar zu freundschaftlichen Beziehungen.
Gegen diese Völkerrechtspflicht wird verstoßen, wenn Staaten oder Allianzen einander Atomwaffen an die Schläfe halten - und sei es zu Abschreckungszwecken.



Während Darin scheiden sich nun wieder die Geister, denn viele gehen davon aus, die Abschreckungsstraleiten völkergewohnheitsrechtlich die Rechtsgemäßheit von "Abschreckungsstrategien" ab, aber Gewohnheitsrecht während es richtiger wäre, aus dem völkerrechtlichen Selbtjustizverbot die Abschreckung dem Weltsicherheitsrat vorzubehalten.

Die Vereinten Nationen bieten jedoch immerhin gute Grundlage, um in solchen Belangen auch nur

es allen Staaten verboten wird,

Voraussetzung dafür ist zunehmende Einsicht der Menschheit, dass Atomwaffen auch nicht zur Abschreckung taugen, was längst nicht hinreichend begriffen ist:

a) Dass sich nicht jeder Mächtige davon abschrecken lässt, sondern vielleicht glaubt, den Atomwaffeneinsatz überleben zu können oder im Paradies aufzuwachen.

b) Weil sich technische Pannen nicht ausschließen lassen, die aus Gründen von Kürze der Zeit eines versehentlichen Atomschlags auch nicht per "Rotem Telefon" aufklären lassen und einen atomaren Schlagabtausch in Gang setzen.

c) Weil allein schon der Atomwaffenbesitz , die gesamte Menschheit zu Opfern eines Konfliktes macht, mit dem sie zum übergroßen Teil nichts zu tun hat.

c) Dass sich der Frieden aller Propaganda zum Trotz nicht mit Atomwaffen sichern lässt, wie jede Menge Stellvertreterkriege mit vielen Millionen Toten und nun auch der Ukraine-Krieg zeigen.

d) Dass allein schon der Atomwaffenbesitz grob völkerrechtswidrig ist, weil sie zwischen Schuldigen und Unschuldigen nicht unterscheiden, sondern sogar die gesamte Menschheit zu Opfern von Konflikten macht, mit denen sie zum übergroßen Teil nichts am Hut hat.

e) Dass einzig völkerrechtsgemäß ist, dass internationale Streitigkeiten dem


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#17

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 18.08.2018 12:06
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Falsches Zitieren ist falsch, wenn nicht deutlich als Satire erkennbar.

Denn die Verhältnisse sind schlimm genug - und viel schlimmer als es vielen bewusst wäre, weil Atomwaffenstützpunkte wie Büchel & Co. tatsächlich nicht für "Zweitschlagsstrategien" taugen.

Solche Standorte sind eher "Zielscheiben" und taugen deshalb nur für "Erstschlagsstrategien".

Wie auch jeder "Atombunker" bloß für den Erstschlag taugt, weil es keine "Vorwarnzeiten" gibt, binnen derer unsere Oberidioten solche Bunker erreichen könnten.

Auch die fernsten Interkontinentalraketen würden schneller einschlagen (max. 25 Minuten) als die sogenannte "Früherkennung" verifiziert und durch die Kommandokette kommuniziert werden kann.

Die superteuren "Früherkennungssysteme" gewährleisten allenfalls Fehlalarme und somit den "versehentlichen Atomkrieg".

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zuletzt bearbeitet 18.08.2018 12:09 | nach oben springen

#18

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 08.09.2018 05:36
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Die SS 20 und Pershing 2 waren Erstschlagswaffen, weil landgestützt zu sehr Zielscheibe, um für Zweitschlagsstrategien zu taugen.

Die kurze Flugdauer war nie kürzer als die von auf U-Booten stationierten Atomraketen, die weit eher für Zweitschlagsstrategien taugen, aber wiederum andere Risiken bedingen, vor allem durch die größere Autonomie des Startregimes.

Überdies ist es unerheblich, ob Raketen 4 oder 25 Minuten unterwegs sind, denn keine dieser Flugzeiten ist hinreichend lang, um überhaupt verifizieren zu können, was da eigentlich passiert.

Schon oft drauf hingewiesen: Es gibt keine "Vorwarnzeiten" und all die hyperteuren "Frühwarnsysteme" taugen allenfalls dazu, Fehlalarme und den versehentlichen Atomkrieg auszulösen.


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#19

RE: Atomare Abschreckung

in Friedensforschung.de 25.10.2018 14:32
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

@Lorenz S. B., sorry, ich hielt Kabarett zwar für möglich ;-), aber in Sachen Atomwaffen bin ich immer so schrecklich humorlos, weil mich halt ärgert, wie viele eigentlich gescheite Köpfe sich nicht den Kopf machen, wie die Sachen real funktionieren bzw. nicht funktionieren, Friedensforscher für "Spinner" halten - und sich selbst für "Realpolitiker".

"Real" ist zwar, was sie treiben, aber ohne Kenntnis der Realität, dass "Frühwarnsysteme" allenfalls Fehlalarme gewährleisten, weil keine genügenden "Vorwarnzeiten", zumal es auch im Falle richtiger Erkennung nichts Vernünftiges zu entscheiden gäbe, weshalb "Warnung" falsche Begrifflichkeit ist. Usw.usf.
Ganz abgesehen von der perversen Rechtswidrigkeit, die gesamte Menschheit für eine Streitigkeit mit in den Tod zu nehmen, mit der Milliarden Menschen nothing zu tun haben.
LG


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#20

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 25.10.2018 15:34
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Liebe Erika H., mir ist es bewusst, dass Sie es für eine Meinungsfrage halten. Auch darum angebracht, einander gewogen zu sein.
Aber die Unkalkulierbarkeit eines auf atomarer Abschreckung beruhenden Friedens ist keine Meinungsfrage, sondern erwiesene Tatsache, wenngleich typischerweise von den Verantwortlichen in Ost, West und anderswo oft jahrzehntelang verheimlicht, um uns den Glauben zu wahren, es sei alles unter Kontrolle und die atomare Abschreckung funktioniere.

Ich bin Friedensforscher auf Basis des Völkerrechts, also kein bloßer Moralapostel des Schemas "Sei anständig und alles wird gut", sondern halte Recht, Gewalt und Strafe für erforderlich, um Möchtegern-Rechtsbrecher bspw. auch abzuschrecken, um sie nicht bezwingen und bestrafen zu müssen = Prävention.

Die Abschreckung ist ein zentrales Moment jeglicher Rechtsordnung, aber jede einzelne Abschreckungsmethode ist darauf hin zu prüfen, ob erforderlich, ob geeignet, ob verhältnismäßig - und ob verlässlich, denn keine Notwehr, keine Vergeltung darf dergestalt sein, dass sie versehentlich zum Menschheitsmord werden könnte, wie schon oft bloß knapp vermieden, denn technisches und menschliches Versagen lässt sich eben nicht ausschließen, so dass es politisches Versagen ist, überhaupt in atomarer Dimension techn. und menschl. Versagen zu ermöglichen, obgleich es andere Methoden zur Abschreckung gäbe, vertraglich vereinbart und umgesetzt werden könnten.

Später mehr. Bekomme gerade Anforderung. LG


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#21

INF-Vertragsbrüche?

in Friedensforschung.de 26.10.2018 00:28
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Bewiesen ist hinsichtlich der gegenseitigen Vorwürfe bislang nichts.

So räumte es die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) im Arbeitspapier Sicherheitspolitik, Nr. 30/2017 ein, also vor einem Jahr, beschäftigte sich jedoch fleißig mit etwaig erforderlichen NAtO-Reaktionen, typischerweise gar nicht mit etwaig erforderlichen Reaktionen von russischer Seite im Hinblick auf etwaig westliche Vertragsverstöße.

Seriöse "Sicherheitspolitik" wird so (einseitig) nicht zu machen sein, weshalb das Arbeitspapier schon grundsätzlich zu kritisieren ist.

Nichts bewiesen bzw. alle Beweise unterlägen der Geheimhaltung, heißt es beiderseits, als sei die Geheimhaltung vom Himmel gefallen und keine politische Entscheidung für Intransparenz, die zur Folge hat, dass die vertretenen Bevölkerungen auf die Vertrauensschiene geschickt werden und für möglich halten, was die ihnen jeweils genehmere Seite an Vorwürfen gegen die andere Seite verheißt.

Im Arbeitspapier werden allerdings einige Vorwürfe aufgezählt, die sich m.E. sehr wohl auch ohne Inspektion von Militärtechnikern beantworten lassen, per hinreichender Darlegung glaubhaft wären und die Debatte spekulationsfreier gestalten könnten.

So jedoch bleibt es im Spekulativen: Ich halte es für wahrscheinlich, dass auf beiden Seiten klammheimlich jede Menge Raketentechnik mittlerer Reichweite entwickelt wird, die sich auch atomar bestücken lässt, denn das strenge Vertragsverifikationsregime endete schon 13 Jahre nach Inkrafttreten des Vertrags, also im Jahr 2001 = ein Fehler des Vertrags.

Und auf dem Hintergrund des im Jahr 2002 von den USA gekündigten ABM-Vertrags ist die Aufrüstung der Mittelstreckenraketen sogar hochwahrscheinlich, weil sich keine Seite leisten wird, "zu wenig" Angriffswaffen zu haben, die von inzwischen unlimitiert vieler Abfangtechnik ausgeschaltet werden könnten.

Ich bin zwar nicht zu überzeugen, dass es eine perfekte Abfangtechnik geben kann, die zwischen Attrappen, konventionellen und atomaren Sprengköpfen zu unterscheiden wüsste und alles "schadlos runter holen" kann, aber solches Streben dauert an und untergräbt alle wichtigen Abkommen zur Begrenzung der Atomwaffen.

Der genannte Fehler (Inspektionsende 2001) lässt sich beheben, denn mit gegenseitigen Vorwürfen und bloßen Konsultationen kommt man dem Problem der abgelaufenen Vertragsverifikation nicht bei.

Gut also, dass es in Artikel 16 des INF-Vertrags heißt, was ohnehin selbstverständlich sein sollte:
"Jede Vertragspartei kann Änderungen dieses Vertrags vorschlagen. Die vereinbarten Änderungen treten nach Maßgabe der in Artikel 17 vorgesehenen Verfahren für das Inkrafttreten dieses Vertrags in Kraft."

Na, liebe @Politik, dann macht das mal. Ganz einfach: "Die Inspektionen werden fortgesetzt." - Solche Anregung kann ruhig auch aus Berlin den Vertragsparteien angetragen und zur Bedingung irgendeiner politischen Mitwirkung gemacht werden.

++++++++++++++++
UNFERTIGES:
Probleme bleiben, denn die Langstreckenraketen lassen sich auf Ziele mittlerer Reichweite downgraden, wenn überhaupt nötig, weil bloß andere Zielkoordinaten, was sie mit "angepasster Sprengladung" eben auch "gefechtsfeldtauglich" macht, also die Schwelle vom konventionellen Krieg zum Atomkrieg senkt.

Moskau und Washington behalten sich noch immer den Ersteinsatz von Atomwaffen für vage definierte Verteidigungsszenarien vor, also letztlich beliebige Szenarien - und sei es "präventiv".

Das "Gefechtsfeld" wären zunächst mal nicht die USA und Russland, sondern wir mit unseren Staaten dazwischen. Dass es sich begrenzen ließe, zumal Paris Moskau nicht danken würde, ist schwache Theorie.

Aber Maas und Merkel glauben noch immer wie Schmidt und Kohl, die US-Atomwaffen seien uns "atomarer Schutzschirm", verlangen noch immer, Trump müsse für uns sein Leben riskieren, wie es andere US-Präsidenten auch nur versprachen, denn die Planungen waren immer andere, hießen "Flexible Response" und Bestreben, einen großen Atomkrieg zu "gewinnen".

+++++++++++++++++++

Folglich bin ich auch nicht davon zu überzeugen, dass es eine "erfolgreiche Erstschlagsstrategie" geben kann, die der angreifenden Seite Wohlbehalten gewährleisten könnte, politisch, wirtschaftlich und ökologisch ausgehalten würde. Aber solches Streben hält an, verstärkt das Misstrauen und destabilisiert die Welt.

Meines Erachtens sind alle Atomwaffen-Szenarien "Chaos-Szenarien", weil nicht beherrschbar - schon in Friedenszeiten nicht (Stichwort "versehentlicher Atomkrieg).


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zuletzt bearbeitet 26.10.2018 00:56 | nach oben springen

#22

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 27.10.2018 04:24
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Was den Analysen, auch meinen Ausführungen fehlt: Wie sehr es politisch korrumpiert, sich mit Atomwaffen "umsorgen" zu lassen.
Diesen Aspekt halte ich für wichtig, weil es in bloß militärischer Hinsicht kaum Sinn macht, viel landstationiert zu leicht angreifbares Ziel.


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#23

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 04.11.2018 14:47
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

Zur etwaigen Kündigung des INF-Vertrags:

Das Wesentliche einer INF-Vertragskündigung ist die Wiedervermehrung von Atomwaffen, also ein Unterlaufen und Bruch aller Atomwaffenreduzierungsabkommen.

Und zwar als Folge der Kündigung des ABM-Vertrages, denn dessen Kündigung führte nicht nur bei den Abfangsystemen, sondern auch bei den Angriffsmitteln zum Wettrüsten, um die Abfangsysteme zu überwinden.

Nur in den besten Zeiten der Entspannungspolitik kurz nach Beendigung des Kalten Krieges schien das heimliche Streben vom Tisch, ein Atomkrieg irgendwie gewinnen zu können, SDI usw., aber je stärker die Spannungen, desto

Solche Gewinnbarkeit mag eine dauerhafte Illusion sein, aber wehe der Menschheit, wenn sich eine der Atommächte einbilden sollte, sie könnte es und es sei so weit. - Trotzdem weniger wahrscheinlich als ein "versehentlicher Atomkrieg" jederzeit.


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#24

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 04.11.2018 19:32
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

UNFERTIG UNFERTIG UNFERTIG

Lieber Otmar Steinbicker, auch ich kenne solche Texte (C.S.Gray).

Und die ebenfalls offen erklärten "Totrüstungskonzepte" gegen die Sowjetunion verirrten mich damals vom nüchternen Einstein-Pazifisten zu sehr zum "Kalten Krieger" auf Seiten der UdSSR, weil ich Einstein allerdings auch eher bloß aus Sekundärliteratur kannte und mir seine Schlussfolgerungen selbst erarbeiten und geistesblitzen musste, obgleich Völkerrecht studiert, obgleich in strenger Logik vernünftiger Staatswesen dressiert, also pro Gewaltmonopol, Gewaltenteilung usw. - ich war andererseits, obgleich das kein Widerspruch hätte sein dürfen, sehr den sozialistischen Erfordernissen verbunden und wurde kompromisslerisch in Sachen "Diktatur des Proletariats"  , studierte an der Parteihochschule in Moskau usw.

Trotzdem gut, dass Du solche Texte bringst, denn jeder soll sie kennen, zumal SDI vielen Menschen als bloße Verteidigung über die Bildschirme geflimmert wurde,

Aber es gilt, die richtigen Schlüsse zu ziehen:

Das Gewinnbarkeits-Streben spiegelt nicht bloß die Unverfrorenheiten gegen alles Völkerrecht und alle Menschlichkeit, sondern steht auch für die gefährliche Naivität von Politikern, Militärs und Beratern.

Ronald Reagan sah es irgendwann ein. Viele sahen es ein. Zudem Entspannung durch Gorbatschow. Das brachte die Abrüstung voran.

Nun geht es seit vielen Jahre in Gegenrichtung, seit sich Russland als Rivale zurückmeldete - und trotz Vetomacht-Status über Jahre zu wenig berücksichtigt wurde >>> NAtO-Osterweiterung, ABM-Kündigung, Verdrängung aus der Mittelmeerregion, eigenmächtige US-"Weltraumbehörde" und vieles, woran sich US-Trittbrettfahrer zumindest nicht öffentlich stören, wenn überhaupt.

So feierte die "Atomare Abschreckung" Wiederkehr - und mit ihr nahezu notorisch auch die Träumerei vom "gewinnbaren Atomkrieg", von der viel zu wenige Menschen wissen, obgleich sie ständige Begleiterin rivalisierender Militärdoktrinen ist - und seit 1942 mit dem Manhattan-Projekt in Reaktion auf das Nazi-Streben nach "Wunderwaffen für den Endsieg" in Gang gesetzt.

Die Wirkungsweisen:

1. Mangels effektivem UNO-Gewaltmonopol werden Streitigkeiten nicht völkerrechtlich ausgetragen, sondern noch immer per Selbstjustiz, nicht nur durch wirtschaftliche Erpressung, sondern auch durch militärische Drohung oder durch Krieg, sofern "Gewinnbarkeit" vorstellbar scheint; in jüngeren Jahrzehnten Afghanistan, Irak, Krim usw., wenn wir jetzt mal bloß auf die "Großen Akteure" schauen, denn die Kleineren (Iran, Saudi Arabien usw.) bis hin zu den Kleinsten (Warlords, Milizen) verhalten sich im Schatten der Großen nicht besser, oft im Wetteifer um deren Unterstützung.

2. Die militärische Rivalität führt zwischen den Großen tatsächlich aus Gründen der "Abschreckung" (ob atomar oder konventionell) nicht zur direkten Konfrontation, weil sich schon ein konventioneller Krieg nicht ohne ungeheuerliche Verluste nicht "gewinnen" ließe und die "atomare Abschreckung" im Hintergrund das Totaldesaster bedeutet.

3. Dieses Dilemma, keinen direkten Krieg gegeneinander führen zu können, wäre eigentlich Chance, um sich auf eine Weltrechtsordnung zu verständigen, die größere Selbstjustiz und Kriegsgefahr zu bannen, indem auf polizeiliche Erfordernisse abgerüstet wird, aber inbesondere die Stärksten möchten an der Selbstjustiz festhalten, weil es sie gegenüber Schwächeren privilegiert - und versuchen folglich, dem Abschreckungsdilemma zu entkommen,
a) indem sie einerseits nur dort zuschlagen, wo sie glauben, hinreichend überlegen zu sein,
b) insgesamt eine Überlegenheit zu erzielen, denn das Überlegenheitsstreben fördert, in Sachen Abschreckung auf der Höhe zu bleiben und bewahrt zugleich die theoretische Chance zum militärtechnischen Durchbruch eines "gewinnbaren Atomkriegs", der ohne Teilnahme am Wettrüsten auch theoretisch nicht einmal mehr "träumbar" wäre.

UNFERTIG UNFERTIG UNFERTIG

Die Abschreckungsstrategie hat das Streben nach dem gewinnbaren Atomkrieg als ständige Begleiterin.
Schon die Abschreckungsstrategie, aber erst recht das Gewinnbarkeitsstreben befeuern das Wettrüsten - und sie bleibt deshalb Träumerei,
denn Russland, China usw. wird sich zu weit ins Hintertreffen geraten lassen, sondern eher noch aufholen.


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#25

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 04.11.2018 19:51
von Markus Rabanus • 1.001 Beiträge

@Otmar Steinbicker, DANKE, das ist ein hervorragendes Interview, denn wichtige Zusammenhänge nennend.

Hinsichtlich der "Gewinnbarkeit" vs. Russland und China jedoch spekulativ ("neunzigprozentige Chance ..."), zumal ich andersherum vermute, dass sich technische Vorsprünge verringerten, so dass es letztlich Bestrebungen bleiben, die das Wettrüsten schüren.

In diesem Effekt (Wettrüsten) stimme ich überein, nur hinsichtlich tatsächlicher "Gewinnbarkeit" nicht, denn bezieht in die Betrachtung die uns im Vergleich zu China bekanntere Aufrüstung Russlands mit ein, weil öfter als China damit prahlend und näher an uns dran, so sind auch Moskaus Abfang- und Angriffspotenziale raketentechnisch kaum weniger beeindruckend.

Wenngleich sich ohne Einblick in Geheimakten nicht beurteilen lässt, inwieweit Mimikri.

Nicht einmal die real kriegerischen Geschehen liefern uns verlässlich Auskunft, z.B. die US-Schläge gegen Assads Stellungen.
Trump hatte Putin "Überraschungen" angekündigt. War das bloß "typisch Trump" oder hatte es reales Szenario im Hintergrund?

Einiges an Sprengkraft kam durch, falls anderes nicht, dann lag es woran genau?

Wir erfahren es nicht, denn man berichtet uns nur wenig, was sich analysieren ließe. Und unsere politischen, medialen Vertreter fragen zu wenig nach, weil sie sich darauf verlassen können, dass es uns primär darum geht, dass es einfach mal endlich wieder endet.

Die im Interview angesprochene Zielgenauigkeit ist ein weites Thema - im Kontext.
Die Extreme benennend:
- Auf Punkttreffer kommt es in Angriffsszenarien an, sowohl für "Ersteinsatz" als auch für "Erstschlag".
- Weniger Punktgenauigkeit braucht es für "massive Vergeltung".

Ich vermute: Niemand im Pentagon kann sich auch nur annähernd darauf verlassen, "selbst keine nennenswerten Schaden zu nehmen".

Anderenfalls wären es Friedenstauben, die ihre verderblichen Möglichkeiten nicht nutzen, was mir zwar lieb wäre, aber das glaube nicht, denn dann wäre der Kurs ein anderer. Und sie würden www.pazifistisches-manifest.de befolgen.

Noch einmal: Vielleicht ist der Eindruck, es sei bloße Spitzfindigkeit, die Bestrebungen in realistische und illusionäre zu unterscheiden.

Nein, der Unterschied hat höchste Relevanz, denn zum Kriegsausbruch genügt die Illusion von Überlegenheit, während über den Kriegsverlauf die tatsächlichen Kraftverhältnisse entscheiden.

Bestätigen wir die Bellizisten in ihrem Glauben an den "gewinnbaren Atomkrieg", tun wir uns friedenspolitisch keinen Gefallen.

Mit solchem Satz mache ich mich zwar verdächtig, dass ich ein Szenario dadurch zu vermeiden suche, indem ich das Bestreben für illusorisch erkläre und dazu die Fakten verkläre, aber dem ist so nicht - und selbst dann, wenn ich fehleinschätze - ist die Illusion brandgefährlich.


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