#31

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 25.07.2019 13:02
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

Jörg Sobota, das von dir beschriebene Problem stellt sich aus Perspektive der Friedensforschung anders dar, wie oben angeschnitten und vielen nicht auf dem Schirm, weil die Kontrollverluste oft über Jahrzehnte verschwiegen werden und so auch deinen Glauben an die atomare Abschreckung wahren.

Und du übersiehst, wie weit die Geister auf unserem Planeten auch diesbezüglich auseinander sind, denn die über 120 Staaten, die am 7.7.2017 gegen die heftigen Drohungen aus dem Weißen Haus und dem Kreml für den Atomwaffenverbotsvertrag stimmten, repräsentieren Menschheit, die nicht die Sichtweise teilt, wie sie in den rivalisierenden Staaten jahrzehntelang im Kalten Krieg auch hierzulande Bewusstsein prägten.

Kurzum und viel schroffer als bei anderen Risikotechnologien:

Wüssten die Menschen um die Unzuverlässigkeit des atomwaffenbasierten Friedens, so würden sie jeden aus dem Amt jagen, der nicht alles daran setzt, die Atomwaffen weltweit unter effektiver Kontrolle zu verbieten.

So ist es übrigens auch mit Artikel 6 des Atomwaffensperrvertrags.
Dieser Artikel enthält die eigene "vollständige" Atomwaffenabrüstung als Hauptgegenleistung für den Verzicht der anderen Staaten "in naher Zukunft" - vor 49 Jahren ;-)

So heißt es dort in Artikel 6:

"Jede Vertragspartei verpflichtet sich, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle."

Das steht nicht in unseren Schulbüchern. Und auch viele Politiker wissen es nicht. Wenn du Kinder hast, die zur Schule gehen, beschaue dir ihre Lehrbücher.

Aber in anderen Ländern wird es gelehrt - und denen wird dann auch berichtet, wie bei den UNO-Generalversammlungen und den turnusmäßigen Überprüfungskonferenzen des Atomwaffensperrvertrags (alle fünf Jahre) der Streit zwischen Atomwaffenmächten und Verzichtsstaaten notorisch ergebnislos abgespult wird.

Und davon hatten viele Verzichtsstaaten die Nase voll - und handelten mühsam den Atomwaffenverbotsvertrag aus, der nun seitens der hauptsächlichen Atomwaffenmächte als "friedensgefährdend" verleumdet wird.

Hebe den Finger, wer hier davon weiß.

Jörg Sobota, die "eigene Scholle" ist den Völkern wichtig, wie auch mir als kleinem Immobilienhai und meinen Mietern Bedeutung hat, dass unsere Nachbarn und Fremde die Grundstücksgrenzen und hier geltenden Gebote achten.

Aber in der Hauptsache ist für unsere Sicherheit durch Gesetze gesorgt, durch das staatliche Gewaltmonopol - und weil es hierzulande recht gut funktioniert, kommen wir ohne Waffen und erst recht ohne Wettrüsten gegen Kriminelle aus.

Unsere Konflikte werden nicht per Selbstjustiz, sondern per Rufnummer 110 geregelt oder vor Gerichten ausgetragen.

Es gibt keinen guten Grund, dass der Frieden zwischen den Staaten unkultivierter gesichert wird als der Frieden in einer Kleingartenanlage. - Und exakt so will es auch das Völkerrecht mit ihrem universell verpflichtenden Hauptdokument, der Charta der Vereinten Nationen.

Wer sich anderes einreden lässt, hält der Selbstjustiz und Willkür des Stärkeren die Treue.
Und der steht auf der falschen Seite, ganz gleich, wie er vom Frieden tönt oder auch, wie friedlich er tatsächlich ist, aber andere am System des "Krieges als Fortsetzung von Politik" mit militärischen Mitteln festhalten lässt.

Und dennoch geht nichts durch einseitiges Abrüsten, sondern braucht ein effektives UNO-Gewaltmonopol - und das muss auch militärisch stärker sein als alle Konfliktparteien.

Also die UNO muss "Supermacht" sein, alle anderen dürfen nicht mehr militärisch, sondern müssen sich demokratisch, diplomatisch und vor Gerichten streiten.

Der Weg ist weit - und bleibt es, wenn die Schritte ausbleiben.

Im unteren Teil - unter dem www.pazifistischen-manifest.de - findest du eine Wegbeschreibung.

Der Nationalismus sorgte immer für Krieg, aber auch dafür, dass sich Gebiete einten, in denen man sich zuvor immer wieder an die Kehle ging, weil sich Fürsten stritten und die Untertanen für sie zu töten und zu sterben bereit waren. Und es verheerte im Dreißigjährigen Krieg halb Europa.

Heute stehen wir vor der Aufgabe, den Nationalismus durch Kosmopolitismus zu überwinden, letztlich durch eine Föderale Weltrepublik.

Alles andere ist Käse, ist Wettrüsten und Völkermord an den Armen, ist immer wieder Krieg - und auch der Große Krieg lässt sich nicht ausschließen, wenn wir den Wandel nicht einleiten.


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zuletzt bearbeitet 25.07.2019 13:04 | nach oben springen

#32

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 31.07.2019 18:30
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

Boris Johnson steht da mit einem U-Boot im Hintergrund, welches ich nicht identifizieren kann, denn die großen Atom-U-Boote der Klassen Trafalgar, Vanguard und Astute haben andere Turm-Silhouetten.

Leider wird wenig darüber diskutiert, welche Macht Johnson hat.

Kennt jemand die Kommandostruktur für das britische Atomwaffenarsenal?
Eigentlich nicht unwichtig, wer und auf welche Weise über Wohl und Wehe der Menschheit entscheiden kann.

In den U-Booten kann autonom entschieden werden, denn für den sogenannten "Ernstfall" wird vermutet, dass die Kommunikation zwischen U-Boot und Regierung unterbrochen ist - und dann hatte bspw. auf dem sowjetischen U-Boot B-59 der Kommandant und zwei der ranghöchsten Offiziere das Sagen:

Kommandant Walentin Sawizki glaubte aufgrund des Wasserbombeneinsatzes eines US-Kriegsschiffs, der Atomkrieg sei ausgebrochen und gab den Befehl zum Atomwaffeneinsatz.
Ein Offizier stimmte zu, der Offizier Wassili Alexandrowitsch Archipow stimmte dagegen.

Archipow hatte den Atomkrieg verhindert. Die Menschheit war haarscharf am Untergang vorbei geschrammt.

In unseren Schulbüchern stand davon nichts, sondern nur, wie gut es doch gewesen sei, dass sich Kennedy und Chruschtschow noch einigten. - Herzlichen Dank  , aber dass die beiden Strolche vollends Kontrollverlust hatten, wurde uns verschwiegen, damit wir schön glauben, die Strolche hätten alles im Griff, denn von diesem Glauben hängt der Glaube an die atomare Abschreckung ab.

Erst im Herbst 2002 wurde auf einer Historikertagung in Havanna zum 40. Jahrestag der Kubakrise offiziell erklärt, dass ein Mann namens Archipow die Menschheit tatsächlich vor einem Atomkrieg bewahrt hatte.

Schaut bitte nach, ob es in den Schulbüchern Eurer Kinder steht - im Kapitel "Kubakrise" - oder ob auch sie belogen werden, um an die Sicherheit durch Atomwaffen zu glauben.

Wir Eltern sind es unseren Kindern schuldig, dass wir sie nicht belügen und nicht belügen lassen.

LG von Markus
Friedensforschung.de

ps: "Ernstfall" ist für den Atomkrieg ein Schwachsinnsbegriff, denn es hätte "Menschheits-Suizid" zu heißen.


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#33

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 23.11.2019 23:24
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

Ach, wenn mir bestätigt wäre, ein Idiot zu sein, wäre immerhin von Vorteil, dass womöglich alles viel besser ausschaut als es mir scheint :-)
Z.B. www.unsere.de/vorwarnzeiten.htm


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#34

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 30.11.2019 11:07
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

FAZ: "Deutsche wollen europäischen Nuklearschirm"

"Nuklearschirm" ;-) nicht neu, aber sollte man mal zum Unwort des Jahres küren.


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#35

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 02.01.2020 19:11
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

Lieber Otmar, ich schätze dich und dein Engagement sehr, sehr, sehr - und der Titel "Abrüsten! Oder die Atomwaffen schaffen uns ab." und vieles im Artikel stimmt, aber es ist schlimmer:

Ich erklärte es schon oft, dass es im Unterschied zu Panzerschlachten und konventionellen Bombenangriffen im Atomraketenzeitalter überhaupt KEINE "Vorwarnzeiten" gibt, denn in 10 oder 30 Minuten Flugzeit lässt sich keine verlässliche Entscheidung treffen, ob Ente oder Rakete im Anflug und die Auslösung eines Atomkriegs "lohnt".

Ich halte es für zumutbar, dass sich wenigstens jeder Politiker ausmalt, wie solche Befehlsketten ausschauen, mit Rückfragen, ob man sich des Anflugs wirklich so sicher sei, um ihn weiter nach oben zu melden, den Oberbefehlshaber zu wecken oder vom Golfplatz zu holen, wie weit es zum Bunker ist usw.

Es gibt zwar diese irre teuren "Frühwarnsysteme" mit beachtlichen Fähigkeiten zur Erkennung von Starts, Vorausberechnung und Nachberechnung von Flugbahnen, aber schon seit den ersten Langstrecken sind die Flugzeiten zu kurz, um von "Vorwarnzeiten" sprechen zu können.

Darum ist das Befehlsszenario für den wirklichen Vergeltungsfall in Wahrheit keine Entscheidung von Oberbefehlshabern, sondern weitgehend dezentralisiert:

- Die atombewaffneten U-Boote konnten schon während der Kubakrise autonom entscheiden, den Atomkrieg auszulösen, denn man geht davon aus, dass im "Ernstfall" die Kommunikation zum Oberkommando nicht funktioniert:
Der auf dem sowjetischen U-Boot stellvertretende Kommandant Wassili Alexandrowitsch Archipow stimmte gegen den Entschluss des Kommandanten - und verhinderte den "versehentlichen Atomkrieg". Er starb 1998. Wir verdanken ihm unser Leben.

- Von den Atomraketen-Silos in den USA wissen wir, dass es zum Start kommt, wenn die Kommandanturen verschiedener Silos, die untereinander kabelvernetzt sind, gemeinsam den Start anordnen.

Kurzum:
1. Wer sich auf "Frühwarnsystem" verließe, riskiert den "versehentlichen Atomkrieg".

2. Auch wer sich schon der Einschläge gewiss ist (sowj. U-46), kann sich irren und den "versehentlichen Atomkrieg" auslösen.

3. Das "Oberkommando" und die Regierungsbunker "funktionieren" nur für den Angriffskrieg, nicht für die "Vergeltung".

4. Der "Atomkoffer", wie er manchen Oberkommandierenden nachgeschleppt wird, ist nur Show.

Zur Automatisierung:

Es wird viel automatisiert, aber wenn überhaupt noch irgendwo Vernunft waltet, dann wird man die Automatisierung nicht auf die Auslösung des Vergeltungsschlags erweitern, allenfalls auf dessen "Optimierung".

Aber es gibt dazu m.W. kein Abkommen und schon erst recht keine Kontrolle, dass wenigstens solche Vernunft waltet, so dass ein Regime für den Fall des Sturzes das Abschiedsfeuerwerk zu automatisieren Wunsch haben kann.
Doch ein Abschiedsfeuerwerk halte ich auch persönliche Entscheidung eines dem Untergang geweihten Imperators oder Regimes halte ich schon immer für wahrscheinlicher als durch Automatisierung, denn ein Hitler hätte die Menschheit in seinen Abgang mitgenommen, wenn es ihm möglich gewesen wäre.


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#36

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 03.02.2020 16:32
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

Stellv. CDU-Fraktionsvorsitzender Wadepuhl fordert deutsche Atomwaffenbeteiligung

Ich würde mich freuen, wenn Frankreich einen Plan auf den Tisch legte, wie alle Atomwaffen aus der Welt kommen oder zumindest abgerüstet unter gemeinsames Oberkommando des Weltsicherheitsrats stellt.

Solchem Verhandlungsziel ist Frankreich - wie auch alle anderen Unterzeichnerstaaten - nach Artikel 6 Atomwaffensperrvertrag seit nunmehr 50 Jahren verpflichtet - und kommt dem nicht nach, wie auch unsere Regierung keinerlei Plan auf den Tisch legt, die Ziele des Vertrags zu erreichen.

Und ich bin als Deutscher zu sehr Franzose, um Deutschland nach drei Kriegen binnen 150 Jahren auch noch an Atomwaffen zu beteiligen.

Dieser Wadepuhl soll mir mal erläutern,
- wie er anderen 190 Staaten den Atomwaffenbesitz vorenthalten will, wenn selbst danach strebend,
- wie er garantieren will, dass nicht eines künftigen Tages solche LePen und Höckes regieren.

Dem Tagesspiegel werfe ich vor, mit keinem Wort den Atomwaffensperrvetrag erwähnt zu haben, als seien solche Abkommen gegenstandslos.
Desweiteren unseriös, dem Interview eine Zustimmung zu suggerieren, indem die zugehörige "Umfrage" lautet: "Sollte die Zusammenarbeit in der EU vertieft werden?"

Gewiss, gewiss, aber keinesfalls mit Atomwaffen.


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zuletzt bearbeitet 03.02.2020 18:08 | nach oben springen

#37

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 10.03.2020 12:06
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

Naja, "Ziel bleibt eine Welt ohne Atomwaffen" ist hohles Politgelabere, denn zum Wie schweigt sich Gabriela Heinrich (SPD) aus und warnt gar noch vor "überstürzten" Entscheidungen, als sei in 50 Jahren Atomwaffensperrvertrag nicht genügend Zeit gewesen, sich der Verpflichtung aus dem notorisch verschwiegenen Artikel 6 zu stellen und den Atommächten brauchbare Vorschläge auf den Tisch zu legen.

Artikel 6 des Atomwaffensperrvertrags lautet:
"Jede Vertragspartei verpflichtet sich, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle."

Auch Deutschland ist "Vertragspartei" - und unternimmt rein gar nichts.
Das ist vertragsbrüchig, denn die in Artikel 6 versprochene Atomwaffenfreiheit ist Hauptgegenleistung für den Verzicht der atomwaffenlosen Unterzeichnerstaaten.

Ebenso vertragsbrüchig, dass sich Deutschland der "nuklearen Teilhabe" rühmt, obendrein naiv, weil die deutschen Atomwaffenstützpunkte im Falle eines Atomkriegs zu den ersten Zielen gehören würden, es sei denn, dass man den Atomkrieg selbst beginnen will.


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#38

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 21.03.2020 16:51
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

"Ernstfall" und "Vorwarnzeiten"?
Alle Atomraketen sind zu schnell, ob für Kurz-, Mittel- oder Langstrecke, um sinnvoll reagieren zu können und nicht irrtümlich per "Gegenschlag" einen versehentlichen Atomkrieg auszulösen.

In den maximal 30 Minuten zum Treffer schaffen es auch die Trumputins nicht vom Golfplatz oder Pferderücken in die Atombunker, es sei denn, sie wären schon drin.

All die milliardenteuren "Früherkennungssysteme" können zwar viel, z.B. Abschüsse registrieren, aber ob tatsächlich Rakete oder bloß Ente im Anflug, hat es so großes Fehlerpotenzial, dass bisherig alle Fehlalarme so spät erkannt wurden, als würden Atomraketen Ehrenrunden drehen. Zuletzt bekannt geworden der Fehlalarm auf Hawaii am 13. Januar 2018.

Kurzum: Verlässlich an "Frühwarnsystemen" ist, dass sie nichts schnell genug aufklären können, sondern eben auch schlimmstenfalls per Fehlalarm schlimmste Entscheidungen fallen.

Und einiges funktioniert nicht mehr, denn seit Atomsprengköpfe gesteuert von ballistischen Flugbahnen abweichen können, lässt sich per "Frühwarnsystem" kein Ziel mehr berechnen.

Der "Atomkoffer" ist m.E. pure Angeberei - und das "Rote Telefon" taugt nur für Krisenzeiten, denn im Angriffsfall stünde das andere Ende weit oben auf den Listen der Angriffsziele. Und dann meldet sich dort niemand mehr, mit dem man sich vertragen könnte.

Aus solchen Dilemmas lässt sich nur entkommen, wenn sämtliche Atomwaffen unter global strengstem Kontrollregime entweder abgerüstet würden, wie mit Art.6 des Atomwaffensperrvertrags versprochen oder unter Oberbefehl der Vereinten Nationen stünden.

Das jedoch wollen die Atommächte nicht - aus vielen Gründen, aber die Gründe können nicht rechtfertigen,
- dass wenn sich wer streitet, dann die Menschheit darunter leiden lässt,
- dass ein versehentlicher Atomkrieg riskiert wird, den es zwar nicht geben darf, aber geben kann, wie schon oft bloß zufällig verhindert, z.B. durch Wassili Alexandrowitsch Archipow, der uns jahrzehntelang verschwiegen wurde, damit wir auf die Verlässlichkeit der atomaren Abschreckung vertrauen.


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#39

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 21.03.2020 17:20
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

nicht gepostet:

Viele kennen vom Atomwaffensperrvertrag nur, dass er die Weiterverbreitung verbiete, aber die Hauptgegenleistung der Atommächte ggü. den Verzichtsstaaten lautet in Artikel 6:

"Jede Vertragspartei verpflichtet sich, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle."

Die "nahe Zukunft" ist inzwischen auf 50 Jahre angewachsen.

Ich studierte Völkerrecht, aber auch ich wusste nichts vom Artikel 6,
a) weil ich war "sowieso gegen Atomwaffen", denn m.E. völkerrechtswidrig aus Gründen der Schädigung von Streitunbeteiligten,
b) weil ich mich wegen des "sowieso" zu wenig für die atomwaffenrechtlichen Einzelheiten interessierte,
c) weil ich damals im Kalten Krieg zu parteiisch war, um nüchtern zu beurteilen, was schief läuft,
d) und weil vom Art. 6 nichts in unseren völkerrechtlichen Lehrbüchern stand, bis heute - nur die Bundeszentrale für politische Bildung korrigierte ihre Information auf mein Bitten hin.

Alles vermeidbar, denn der Vertragstext ist überschaubar - und war in der Fachbereichsbibliothek greifbar. Aber wir vertrauten und zankten mit den Professoren auf bloßer Basis der Lehrbücher und politischer Ansichten.


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zuletzt bearbeitet 21.03.2020 20:13 | nach oben springen

#40

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 21.03.2020 23:04
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

@David T., Ihr Fazit hat mit 1. und 3. These höchste Wahrscheinlichkeit,
aber Ihre vorherigen Annahmen sind großteils technisch überholt, denn schon seit Jahrzehnten lassen sich Raketenstarts aufklären, allerdings oft mit Fehlern, bspw. Sonnenaufgang, Blitzen usw.,
während sich die Flugbahnen - inzwischen vieles nicht mehr ballistisch - durch Nachsteuerung der Atomsprengköpfe schwieriger verfolgen lassen.

Die Vermutung, die Beobachtbarkeit sei "ein langer Prozess" stimmte schon seit den ersten Raketen nicht mehr - und heute zwischen 8 und max. 30 Minuten, je nach Stationierungsart, ob von vor der Küste schleichendem U-Boot oder landgestützter Interkontinentalrakete.

Bevor eine der vielen "Frühwarnsysteme" die Befehlskette bis zum Oberbefehlshaber durchläuft, ist der längst eingeäschert, es sei denn, er wäre schon im Bunker.
Darum sind viele Startregimes weitgehend autonom, weil man davon ausgeht, dass zumindest die drahtlose Kommunikation im sogenannten "Ernstfall" nicht mehr zu gewährleisten ist.

Die größere Autonomie implementiert weitere Risiken.

Der Wiedereintritt von Raketensprengköpfen in die Erdatmosphäre, wenn überhaupt aus ihr heraus, lässt sich gegen das Verglühen allemal leichter kacheln als es wiederkehrende Astronauten einzukacheln gelang.

Zwar verbesserte sich auch die Raketenabwehr dramatisch, aber wie Sie bereits richtig erkannten, bleibt einerseits das Risikos des Fallouts - und das weitere Problem ist daraus, dass man sich leicht tut, mit einer Vielzahl von Sprengkopf-Attrappen die Trefferquoten der Abwehr zu überragen, denn bislang gibt es keinen "Schild", sondern allenfalls "Pfeile gegen Pfeile".

Aber gut, dass Sie sich mit solchen Fragen beschäftigen, denn ich weiß von vielen Politikern, dass sie es zu wenig tun - und obgleich ich völkerrechtlich studiert bin, interessierten auch mich die wichtigen, militärtechnischen Eigenschaften erst, als die jahrzehntelang verschwiegenen Beinahe-Katastrophen bekannt wurden.

Vorher hatte es mich bloß völkerrechtlich "empört", zumal ein Atomkrieg auch die Streitunbeteiligten in Mitleidenschaft zieht.

Ganz blöde ist die Politik allerdings nicht, denn immerhin wurde weltweit der teure Bunkerbau eingestellt, zunächst für die Zivilbevölkerung, dann auch weitgehend für die politischen Apparate, denn wer draußen ist, bleibt es auch - und weil ohne Konzept, auf welche Weise sich nach ersten Angriffen vertragen statt ausmerzen ließe.


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zuletzt bearbeitet 21.03.2020 23:22 | nach oben springen

#41

RE: Atomwaffenverbot.de

in Friedensforschung.de 25.03.2020 12:54
von Markus Rabanus • 3.983 Beiträge

Es gibt viele Baustellen, auf denen in die falsche Richtung gearbeitet wird.
Vor allem das permanente Risiko eines versehentlichen Atomkriegs wird unterschätzt, als dürfe Rivalität und Abschreckungslogik in solche Dimensionen übertrieben werden und als es alternativlos.


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